Die Abrechnung. Thomas Hofer, Politik-Berater, über Gerhard Zeilers Analyse der SPÖ.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 05. Dezember 2017 (00:50)

Dass es der Sozialdemokratie in Österreich und Europa nicht gerade berauschend geht, ist keine rasend neue Einsicht. Wenn sie allerdings von einem kommt – und auch noch mit alternativen Lösungsvorschlägen zur aktuellen Parteiperformance unterfüttert wird –, der noch vor eineinhalb Jahren als potenzieller neuer SPÖ-Chef und Bundeskanzler galt, dann darf man genauer hinschauen.

Also analysierte Gerhard Zeiler, aktuell Chef von Turner Broadcasting und einer der erfolgreichsten österreichischen Medienmanager auf der internationalen Bühne, vergangene Woche beim Mediengipfel in Lech: Die Sozialdemokratie sei in Europa immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie verändern und reformieren wollte. Dieser Ansatz fehle in der SPÖ aktuell, sie hätte im Wahlkampf nicht auf Veränderung gesetzt und gerade auch deshalb verloren. ÖVP-Kandidat Kurz, so Zeiler, habe das deutlich besser gelöst.

Nun ist es müßig darüber zu spekulieren, wie es für die SPÖ mit einem Spitzenkandidaten Zeiler in der Wahlauseinandersetzung gelaufen wäre. Aber von der Statur und dem internationalen Format her hätte er doch einiges an Gewicht auf die innenpolitische Waage gebracht. Die Realität schaut für die SPÖ anders aus: Mit Christian Kern steht ein zweifelsohne charismatischer Mann an der Spitze der Partei. Spätestens seit der Wahlniederlage vom 15. Oktober, eigentlich aber schon seitdem er merkte, dass der Wahlkampf nicht mehr zu gewinnen war, strahlt Kern jedoch aus, dass er nicht mehr will. Er fühlt sich schlecht behandelt und unter Wert geschlagen.

Mit ihm hat sich seine Partei einer gewissen Lethargie hingegeben. Man wartet auf die schwarz-blauen Jahre, die da kommen und hofft insgeheim, dass man sich aufgrund einiger Regierungsmaßnahmen wieder am Thema Sozialabbau hochziehen kann. Für ein Zukunftsprogramm ist das aber ein wenig dünn. Will die Sozialdemokratie in Zukunft wieder eine Führungsrolle im Land übernehmen, muss sie aus der Larmoyanz-Ecke finden und der künftigen Regierung thematisch Paroli bieten.