Schmutz-Übel. Thomas Hofer, Politik-Berater, über den Stil im Wahlkampf.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 29. August 2017 (00:38)

Wahlkämpfe sind generell Zeiten allzu starker Vereinfachungen und Simplifizierungen. Das gilt gerade dann, wenn es um gegenseitige Vorhalte geht. So einen Punkt haben wir knapp sieben Wochen vor dem Wahltag jetzt erreicht. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich die wahlwerbenden Gruppierungen nicht gegenseitig vorwerfen, „Dirty Campaigning“ zu betreiben und gerade so tief in die unterste Schublade zu greifen wie niemand zuvor.

Ein wenig Gelassenheit tut hier Not. Erstens ist nicht alles, was an Kritik am Gegenüber geäußert wird, gleich „schmutzig“. Es gibt einen Unterschied zwischen „negativ“ und „dreckig“. Ein paar Anhaltspunkte: Dreckig wird es, wenn der höchstpersönliche Lebensbereich eines Kandidaten oder dessen Familie berührt wird – vor allem, wenn der berichtete Umstand politisch völlig irrelevant ist. Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört etwa in diese Kategorie. Dreckig ist es auch, mit falschen Tatsachen zu operieren, also einfach Dinge zu behaupten, die falsch sind, von manchen Wählerinnen und Wählern aber vielleicht doch als glaubwürdig eingestuft werden. Wer in diese Gefilde abtaucht, handelt verwerflich.

Etwas anders verhält es sich mit dem „bloß“ negativen Wahlkampf. Da wird zwar auch mit harten Bandagen gearbeitet. Und es ist schon klar: Auch hier werden Fakten oft so interpretiert, dass sie ins Bild passen. Aber darauf hinzuweisen, dass man diverse Inhalte oder auch Einstellungen des Mitbewerbers ablehnt und gern andere Ausrufezeichen setzen würde, das ist legitim. In den Vereinigten Staaten gibt es sogar Untersuchungen, die gezeigt haben, dass bei so genannter Abgrenzungskommunikation vom politischen Mitbewerb weniger gelogen wird als bei Selbstbeweihräucherungen des eigenen Kandidaten.

Ein wenig Differenzierung täte uns – und vor allem den aktuellen Kampagnen – also schon gut. Die permanente, hyperventilierende Empörung über das Verhalten des Anderen desensibilisiert nämlich für echtes Fehlverhalten. Und das gehört tatsächlich benannt und als das qualifiziert, was es ist: übel.