Die St. Pöltner Zelle. Über Siebenkämpferin Ivona Dadic.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 02. September 2020 (05:29)

Sportaltmeister Gunnar Prokop hat in seinem langen Leben viel geleistet. Und viel geredet. Mit dem, was mit Sport zu tun hatte, lag er meistens richtig. Eine seiner Thesen trifft ins Schwarze: Österreichs Sport ist immer dort erfolgreich, wo er in kleinen Zellen organisiert ist. Thomas Muster, Hermann Maier, Marcel Hirscher, Dominic Thiem und, und, und…

Aktuell scheint sich gerade bei den Leichtathleten der Union St. Pölten eine solche Zelle zu bilden. Eine, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mehrkämpferin Ivona Dadic zu einer Olympiamedaille zu pushen. Obmann Gottfried Lammerhuber stellt der 26-Jährigen rund um Chefcoach Philipp Unfried die besten Spartentrainer zur Verfügung, die in Österreich greifbar sind. Nicht nur ihr Betreuerstab, auch Vereinskolleginnen stellen sich in den Dienst der Sache.

Beate Schrott, selbst Olympiafinalistin und EM-Medaillengewinnerin, reiste am Wochenende extra ins ferne Vorarlberg. Die Hürdenspezialistin meldete sich für den Siebenkampf an, nur um Dadic im Auftaktrennen über die 100-Meter-Hürden als „Hase“ zu dienen. Schrott hätte sich bei strömenden Regen auch über Hochsprung und Kugelstoßen gequält, um über die 200 Meter neuerlich die Sparringspartnerin zu geben. Da schrie Dadic aber „Stopp“, wollte ihrer Freundin das Verletzungsrisiko ersparen.

Dadic spürt die Unterstützung, ist topmotiviert und dankt es bisweilen mit Leistung. Noch am Tag nach ihrem Meistertitel im Wasser-Siebenkampf von Götzis war sie aufgezuckert und voller Zuversicht. Selbstläufer wird die Medaille im nächsten Jahr trotzdem keiner. Der Weg zu einer realistischen Chance dafür wird aber gerade beschritten. Genau so geht‘s.