Die umgekehrte Visions-Frage

Über anstehende Richtungsentscheidungen beim SKN St. Pölten.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 05:00

Der SKN St. Pölten kämpft seit dem Abstieg auf mehreren Fronten.

Sportlich lief der Neustart in der 2. Liga alles andere als gut an. Der Wiederaufstieg rückte schon nach wenigen Runden in ganz weite Ferne. Spät kamen die Wölfe doch ins Laufen.

So ehrlich müssen aber alle Beteiligten sein: Wäre der SKN in diesem Herbst nicht derart mit sich selbst beschäftigt gewesen, wäre das Trainerduo Stephan Helm/Emanuel Pogatetz längst Geschichte. Zur Erinnerung: Der SKN stand nach acht Runden mit mageren vier Punkten da.

Die sportliche Kompetenz im Verein ist in Ermangelung eines Sportdirektors in einer Person konzentriert – Sportvorstand Thomas Nentwich. Der machte dem jungen Trainerteam die Mauer, wurde dafür erst belächelt, dann verspottet. Aber Nentwich blieb hart und sollte recht behalten.

Stichwort „mit sich selbst beschäftigt“: Wie Damokles-Schwerter schwebten ungelöste Themen über dem Verein. Braucht es nach dem Abstieg eine spürbare und sichtbare Veränderung in der Führungsetage? Muss man den Versuch, eng mit einer Spielervermittlungsagentur zusammenzuarbeiten, für gescheitert erklären?

Mit dem Rückzug von General-Manager Andreas Blumauer und der Beendigung der Beratertätigkeit von Frank Schreier wurden beide Themen vorerst geklärt. Jetzt geht es darum, die Zukunft zu gestalten.

Offenbar soll das im operativen Bereich eine Doppelspitze machen. Ein Geschäftsführer für den Sport und einer für die Wirtschaft sollen dem SKN Leben einhauchen. Viele fordern an dieser Stelle so etwas wie eine Vision. Orchestriert von der gar nicht mal so originellen Frage: Wofür steht der SKN?

Wofür soll ein Fußballklub schon stehen? Für gewinnen, gegen verlieren – wäre eine Antwort, auf die man sich einigen könnte.

Viel spannender wäre die Frage, wofür der SKN garantiert nicht stehen sollte? Nämlich dafür, ein Vehikel zu sein, mit dem andere Geld verdienen. Glaubhaft darzustellen, dass im Sinne des Vereins gehandelt wird, ist das Gebot der Stunde. Das reicht als Vision aus.