Ein Nationalfeiertag im Banne der schlechten Stimmung. Leitartikel von Harald Knabl.

Von Harald Knabl. Erstellt am 27. Oktober 2014 (05:56)

Sonntag haben wir unseren Nationalfeiertag begangen. Fast so wie immer. Mit den mahnenden (aber wirkungslosen) Worten unseres Herrn Bundespräsidenten, mit genauso staatstragenden (aber inhaltlich noch nie umgesetzten) Stellungnahmen der Parteienlandschaft.

Und mit einer Bundesheerpräsentation, der man heuer leider ansah, dass für solche PR-Gags fast kein Geld in der Kasse ist. Ein Nationalfeiertag wie immer. Aber eben nur fast. Die allgemeine Stimmung ist’s nämlich, die das Bild trübt. Irgendwie fehlt Aufbruchstimmung.

Warum ist das so? Ist das alles hausgemacht? Lässt uns die Wirtschaftskrise nicht mehr aus ihren Krallen? Glauben wir der Innenpolitik nicht mehr? Geht’s anderen Ländern auch so, oder sind wir eben die geborenen Raunzer?

Nun, sicherlich durchleben wir momentan wirtschaftlich eine wirklich schwere Zeit. Von Aufschwung ist derzeit nichts zu sehen, ja er ist nicht einmal zu erahnen. Im Gegenteil. Es vergeht keine Woche, während der uns die Zerbröselung unseres Euros oder gar der Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems prophezeit wird. Trotzdem geht es uns als Bürgerinnen und Bürger dieses Österreichs gut. Sehr gut sogar. Wir wollen’s halt nicht glauben. Weil in unseren Köpfen festgemacht ist, dass genug nie genug ist.

Das ist auch mit der Einstellung zur Politik so. Reformen gehören her, sicherlich und endlich. Dazu müssen wir als Souverän diese allerdings auch wirklich mittragen. Heißt: Wir dürfen dann nicht jene durch Abwahl bestrafen, die diese Änderungen gewagt haben, wohl wissend, dass sie schmerzhaft sind. Die Steiermark wird das bald beweisen. Wir impfen unseren politischen Vertretern durch die viel zu kurzen Legislaturperioden und durch unser revanchistisches Wahlverhalten jene Ängstlichkeit ein, die wir ihnen vorwerfen.

Und ja, anderen Ländern Europas geht es derzeit ähnlich. Nur noch schlechter. Weil sie politisch bei Weitem nicht so stabil dastehen wie wir (Italien, Frankreich) und wirtschaftlich auch eigenverschuldet fast bankrott sind (Griechenland, Spanien).

Die schlechte Stimmung ist ein Keim, der Europa erfasst hat. Nationalismen leben wieder auf. In verschiedenen Ausprägungen, so, wie man eine leichte oder eine schwere Grippe haben kann.

Wir alle spüren, dass dieses Europa seine Grenzen erreicht hat. Nicht geographisch, sondern inhaltlich. Nur ein wirtschaftlicher Verbund zu sein, das wird in Zukunft nicht mehr reichen. Ehrlich gesagt, reicht das heute schon nicht mehr.

harald.knabl@noen.at