Ein paar Sätze noch.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 12. Dezember 2017 (01:23)

„Einen Satz noch …“ Das trägt die Lüge bereits in sich. Befand jedenfalls die Jury zur Wahl des Österreichischen Wortes 2017 und machte ihn zum Unspruch des Jahres. Denn wer sie benutzt, die Formulierung nämlich, beendet nicht eine Wortmeldung, sondern hebt erst recht zur Suada an. Wie viele Fernsehdiskus sionen zur Nationalratswahl 2017 bewiesen.

Originell ist der Befund nicht. Die meisten

politischen Stellungnahmen sind konsequent ihrem Gegenteil zuzuordnen. Zu Beispiel: Sagt eine oder einer „das stelle ich mit aller Deutlichkeit fest!“, dann hören wir Geschwurbel der höheren Art. Noch schlimmer ist die Behauptung, „zweifellos die Wahrheit“ sagen zu wollen. Dann dürfen wir mit Fug und Recht faustdicke Lügen erwarten. Denn warum muss ich sonst extra ankünden, ehrlich zu sein?

Der Unspruch des Jahres hat also geringen Neuigkeitswert. Genießen wir lieber das Unwort des Jahres. Das bezeichnet klar und deutlich, was gemeint ist. Einen Vollholler eben.