Ein Tonband ist kein guter Berater in der Not. Über überlebenswichtige „Rettungsbojen“ in psychischen und seelischen Notsituationen und eine Mechanisierung.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 15. September 2021 (04:47)

Fast ein Sechstel der Schüler hat suizidale Gedanken (16 Prozent), heißt es in einer Studie der Donau-Uni-Krems vom März 2021. Mit der Pandemie hätten sich depressive Symptome, Schlafstörungen und Angst verfünf- bis verzehnfacht. Tendenz steigend. Besonders betroffen seien Jüngere bis 35 Jahre, Frauen, Singles und Menschen ohne Arbeit.

Trotz offensichtlich steigendem Bedarf an psychosozialer Erstberatung und Notversorgung hebt beim „NÖ-Krisentelefon“ nach 21 Jahren kein Mensch mehr ab. Ein Tonband empfängt stattdessen Hilfesuchende und leitet auf 1450 um. Eine etablierte „Rettungsboje“ für psychische und seelische Notfälle wurde klammheimlich mitten in einer Krise eingestellt. „Wegen Doppelgleisigkeiten“, heißt es vom NÖGUS. „Wegen Kostengründen“ erzählt hingegen eine ehemalige Mitarbeiterin.

Alternativ wird vom NÖGUS und Co. auf eine Fülle von Hotlines in NÖ verwiesen. Ja, aber dort muss man erst einmal durchkommen und in der Leitung bleiben. Denn niederschwellig sind Tonband und Aufforderungen à la „SV-Nummer, Adresse, Name bereithalten“ nicht. Die wirken als Rausschmeißer für Menschen im Ausnahmezustand. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr niederschwellige „Doppelgleisigkeiten“ und schnell erreichbare Profis, um Mitmenschen aufzufangen.