Wozu fasten, wenn der Fasching fehlte. Über das Fasten in Zeiten der Pandemie.

Von Alois Schwarz. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:42)

Vielleicht fragen Sie sich das heuer auch: Wozu soll es denn heuer eine Fastenzeit geben, wo wir ohnehin schon auf so vieles verzichten mussten? Kein ausgelassenes Feiern, keine Bälle, kein Vergnügen, sondern Einschränkungen, Abstand halten und Gesicht verbergen.

Ja, wer die Fastenzeit in diesem Zusammenhang wahrnimmt und beginnen möchte, dem rate ich: Tun Sie es nicht! Denn dann wird der Mangel, den Sie ohnehin schon erleben, nur noch größer.

Wenn Sie die Fastenzeit im Sinne des christlichen Glaubens beginnen möchten, dann lade ich Sie ein, die Zeit des Fastens aus dem Blickwinkel der Fülle zu begehen. Nicht immer bedeutet Fasten auch tatsächlich, keine Nahrung zu sich nehmen wollen. Das kann in Anbetracht dessen, dass wir über den Winter Reserven angesetzt haben, vielleicht auch eine Motivation sein. Vielmehr bedeutet das Fasten aber das Reinigen, das Entrümpeln der Seele und natürlich auch des Körpers. Wer schon einmal eine Fastenkur gemacht hat, weiß, dass die ersten drei Tage die härtesten sind, weil der Körper lernen muss, von den Giften, die wir ihm täglich und unüberlegt zuführen, loszukommen. Aber ab dem dritten Tag fühlt man sich körperlich wohl und gewinnt neue Kräfte.

Oder aber Sie werden das vielleicht kennen: Wenn Sie sich zu Hause in Ihrer Wohnung von Dingen trennen, die Sie schon lange stehen haben, aber eigentlich nicht brauchen, dann schaffen Sie damit Platz für Neues. Wenn Sie Ihren Kleiderschrank dahingehend durchforsten, werden Sie bemerken, dass es Kleidungsstücke gibt, die Sie kaum oder gar nicht getragen haben. Sie schaffen Platz und innere Ordnung.

Das heißt, das Sich-Trennen wird damit zur Fülle an Platz, an Raum, an Leere, in der wiederum Neues entstehen kann. Die Schwierigkeit, sich von Dingen, Kleidungsstücken, … zu trennen, hängt oft auch damit zusammen, dass damit Erinnerungen verbunden sind. Das Durchringen zum Verzicht schenkt neuen Raum und befreit und belüftet unsere Häuser und Wohnungen. Genau das geschieht auch in der Fastenzeit für unsere Seele.

Was genau erdrückt Ihre Seele? Wovon würden Sie sich gerne trennen? Manchmal sind das möglicherweise negative und traurige Gedanken, von denen Sie befreit werden wollen. Da kann es schon helfen, wenn man einen anderen Blickwinkel einnimmt. Verzichten Sie darauf, Dinge negativ zu betrachten, denn das schwächt Sie und hindert Sie daran, glücklich zu sein und sich wohlzufühlen. Es könnte auch sein, dass Sie im Unfrieden oder im Streit mit Menschen in Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld leben. Ungerechtigkeit und Neid belasten Sie und erdrücken Ihre Seele.

Ich lade Sie ein, verzichten Sie darauf, den Ball der Anfeindungen aufzufangen, denn damit steigen Sie ein in das grausame Machtspiel der Einen gegenüber den Anderen. Sie werden staunen, welche Fülle an Gelassenheit und Ruhe Ihnen dann zufließen wird. Fastenzeit im christlichen Denken bedeutet, den Verzicht zum Gewinn werden lassen, damit es im Rückblick auf diese Zeit dann eine für Sie erfüllte und gestärkte Zeit werden kann. Fastenzeit bedeutet vor allem auch, den Blickwinkel des Mangels aufzugeben und aus der Perspektive der Fülle das Leben neu wahrzunehmen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine gesegnete Fastenzeit.

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