Erstellt am 28. Dezember 2018, 04:20

von Abt Maximilian Heim OCist

Die Rolle Gottes. Abt Maximilian Heim (Stift Heiligenkreuz) über die Rolle Gottes im täglichen Leben.

„Welche Rolle spielt Gott in Ihrem Leben?“ Auf diese Frage antwortete jemand : „Gott spielt in meinem Leben keine Rolle, sondern er führt die Regie.“ Aber so ein Bild von Gott – als jemand, der mein Leben bestimmt, der gleichsam die Regie führt – haben nur ganz wenige Menschen. Viele fragen vielmehr: „Wo ist er denn? Warum lässt er denn all das Leid zu? Warum so große Einsamkeit?“

Gott hat uns geschaffen als sein Ebenbild. Der Mensch weiß intuitiv, wie Gott sich das gedacht hat mit seiner Schöpfung. Aber wir wissen: Wir sind nicht mehr im Paradies. Die Katastrophe, die den Menschen verändert hat, wird in der Bibel in der Geschichte vom Sündenfall geschildert. Das Herz des Menschen ist verdunkelt. Er versteht die Herzenssprache Gottes nicht mehr. Er sorgt und dreht sich nur noch um sich selbst und meint, alles selbst in die Hand nehmen zu müssen. Er will selbst Regisseur seines Lebens sein.

In dieser Situation erweckt Gott Propheten, die in der Lage sind, auf Gottes Stimme zu hören und sie als Regieanweisungen den Menschen mitzuteilen. Aber wie oft bleibt der Mensch in sich verschlossen … Er will nicht auf die Stimme Gottes hören. Und da geschieht nun das Unerhörte: „In dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat.“ (Hebr 1,2) Er trägt das All durch sein machtvolles Wort.

Der eigentliche Regisseur erniedrigt sich und wird Mensch. Er zeigt, worauf es ankommt. Er beschließt, sich selbst in das menschliche Leben hineinzugeben, damit wir aus seinem Geist heraus leben und so den Sinn unseres Lebens erfassen. Verstehen wir jetzt, dass Gott an Weihnachten begonnen hat, unser Leben auf sich zu nehmen – für uns und mit uns?

Wenden wir uns an diesem Weihnachtsfest an das Kind von Betlehem, Gottes und Marien Sohn, und sagen wir: „Komm und errette uns!“ Vereinen wir uns mit Menschen, die in schwierigen Situationen leben, und machen uns zum Sprecher derer, die keine Stimme haben.