Im spirituellen Keller. Über die Bedeutung von Maria Himmelfahrt.

Von Abt Thomas Renner. Erstellt am 13. August 2019 (03:33)

Manche Menschen glauben nicht mehr an den Himmel. Der berühmte Psychotherapeut Carl Gustav Jung wurde einmal von seinen Studenten gefragt: „Herr Professor, wo ist der Himmel?“ Er gab zur Antwort: „Das weiß ich nicht. Fragt die Theologen. Aber eines weiß ich, wer nicht an den Himmel glaubt, wird depressiv.“ Dass die Depressionen in unserer Zeit zunehmen, ist wohl kein Geheimnis. Eine Reihe von Menschen sieht kein Licht mehr. Sie meinen, keine Zukunft zu haben, sie glauben nicht mehr an einen Himmel.

In dem Buch „Der Himmel ist nur einen Schritt entfernt“ des englischen Schriftstellers Paul Meek heißt es: „Mir geht manchmal der Vergleich durch den Sinn, dass es so ist, als ob wir ein vierstöckiges Haus bewohnen würden. Die meisten leben im Keller, ohne zu wissen, dass es über ihnen drei weitere Stockwerke gibt, die heller, wärmer und schöner sind. Für sie existieren diese drei höheren Ebenen nicht.

Sie bleiben ihnen verschlossen, denn sie haben nicht entdeckt, dass es eine Treppe gibt, die nach oben führt.“ Das Fest Maria Himmelfahrt möchte uns Menschen aus unserem Ich, aus unserem Keller, herausholen und in die Höhe führen. Im Wort Himmel steckt eine tiefe Sehnsucht. Der Himmel steht immer für die Fülle und Überfülle, dass am Ende alles aufgeht, aufgehoben und verwandelt, ja das letztlich sogar alles Unvollkommene auch vollendet wird.

Wir verbinden mit dem Himmel die Erwartung, dass all unser Bemühen und Tun letztlich nicht vergeblich ist, nicht ins Leere läuft, sondern dass alles erfüllt und sinnvoll wird. Darum lenkt die Himmelfahrt Mariens unseren Blick auch auf das Ende unseres eigenen Lebens. Wir sind von Gott dazu berufen, für immer und ewig durch ihn, mit ihm, in ihm und bei ihm glücklich und selig zu werden.

Darum heißt es auch im Brief an die Epheser: Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid. (Eph 1,18)