In der Welt für Gott. Abt Maximilian Heim OCist (Stift Heiligenkreuz) über die Frauenrechtlerin, christliche Sozialpolitikerin und Gründerin der „Caritas Socialis“ Hildegard Burjan.

Von Abt Maximilian Heim OCist. Erstellt am 12. Juni 2019 (03:55)

Seit 100 Jahren gibt es in Österreich das Frauenwahlrecht. Bei der ersten Nationalratswahl der neuen Republik im Februar 1919 waren Frauen erstmals wahlberechtigt und konnten auch in den Nationalrat gewählt werden. Eine der Vorreiterinnen war die aus einer jüdischen Familie stammende Hildegard Lea Burjan, geb. Freund. Am 11. Juni d. J. jährt sich ihr 86. Todestag. Als sie plötzlich schwer erkrankte, wurde sie von Barmherzigen Schwestern gepflegt und erfuhr überraschend und fast wunderbar zu Ostern 1909 Heilung.

Während dieser sechs Monate ihres Krankenlagers fand sie Zugang zum katholischen Glauben und empfing 1909 die Taufe. Danach übersiedelte sie mit ihrem Mann nach Wien, wo sie zusammen mit ihm die österreichische Staatsbürgerschaft annahm. In schwerer Schwangerschaft, bei der ihr die Ärzte dringend zur Abtreibung rieten, entschied sie sich für das Kind, ihre einzige Tochter, die sie gesund zur Welt brachte.

Sie setzte sich intensiv für Frauen ein, gründete 1912 den „Verband der christlichen Heimarbeiterinnen“, 1918 den Verein „Soziale Hilfe“ und 1919 die religiöse Schwesterngemeinschaft „Caritas Socialis“, die sich bis heute um Menschen in Not annimmt. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie engagierte sich Hildegard Burjan zunächst politisch im Wiener Gemeinderat und wurde 1919 christlich-soziale Abgeordnete im Nationalrat. Bis heute hängt das Porträt dieser beeindruckenden Frau, die als „Gewissen des Parlaments“ bezeichnet wurde, in diesem Hohen Haus.

Am 29. Jänner 2012 wurde sie im Wiener Stephansdom im Auftrag von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. „Mit einem offenen Herzen für die Nöte der Zeit hat sie sich für die Rechte der Unterprivilegierten und gegen jede soziale Ausgrenzung von Randgruppen durch die Gesellschaft eingesetzt“ (Kardinal Schönborn). Aus christlicher Verantwortung vor Gott für eine Erneuerung der Gesellschaft einzutreten, ist auch heute das Gebot der Stunde.