Liebt einander!. Über die Nächstenliebe.

Von Alt-Abt Burkhard Ellegast. Erstellt am 04. Juni 2019 (02:52)

Was sich gerade in Österreich tut, was in England vor sich geht, was mit Europa passiert. Man ist versucht zu sagen, es sind Kleinigkeiten im Vergleich zum Weltgeschehen: Ansicht gegen Ansicht, Überzeugungen gegen Überzeugungen, Menschen gegen Menschen. Und das alles beginnt in unserem ganz persönlichen Lebenskreis. Es gäbe einen anderen Weg, doch wer geht ihn? Wir leben zusammen mit Menschen. Durch Erziehung und Erfahrung wurden wir zu ganz bestimmten Menschen. Mit unseren Mitmenschen ist es ähnlich gelaufen. Sie sind ebenfalls ganz bestimmte Menschen – aber wieder anders als wir.

Mit manchen können wir gut, sie sind uns ähnlich. Unter Umständen lernen wir sogar manches voneinander. Mit anderen wiederum tun wir uns schwer. Nicht nur ihre Art finden wir aufregend, sondern auch ihr konkretes Verhalten ist anstrengend. So kommt es immer wieder zu Problemen.

Jesus Christus hat uns hier einen Weg gewiesen, der uns zusammenführt, der Streitigkeiten und Probleme im Miteinander verhindern könnte: „Ein neues Gebot gebe ich euch. Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr einander lieben.“ Diese Liebe könnte ein gutes Miteinander ermöglichen. Wenn man trotz allem versucht, aufeinander zuzugehen, lernt man einen Menschen besser kennen, kann wieder mit ihm. Natürlich ist dieses Bemühen nicht leicht. Wenn der andere unser Bemühen nicht sieht, wenn er stur ist, dann werden wir selbst irritiert, verlieren Kraft, sind versucht aufzugeben.

Ich selbst durfte die Erfahrung machen, dass ein Mitbruder mich ablehnte. Trotzdem ging ich immer wieder auf ihn zu, durch Jahre hindurch. Irgendwann hat er mir das „Du“ angeboten. Ich glaubte, schlecht zu hören. Letztlich lebten wir in der Gemeinschaft zunächst mehr miteinander. Junge Mitbrüder waren lieb mit ihm, er wurde ein ganz anderer Mensch, weil er eben Liebe erfahren durfte. Gegen Ende seines Lebens saß er einmal im Garten auf einer Bank, hinter ihm ein blühender Glockenblumenstrauch. Ich fragte ihn, wie es ihm gehe, und seine Antwort: „Eigentlich immer besser.“

Liebe kann Wunder wirken, wurde mir damals bewusst.