Ostermorgen-Schrecken. Zur Erschütterung am Ostermorgen

Von Abt Thomas Renner. Erstellt am 24. April 2019 (00:33)

Zunächst erscheint eigentlich alles wie immer. Mit Ölen, Binden und Salben gemeinsam zum Grab gehen. Die letzten Handgriffe. Miteinander erinnern, miteinander weinen. Das gewohnte, vertraute Totenritual.

Alles scheint wie immer – und dann ist es doch ganz anders. Denn es ist der Ostermorgen. Das Grab ist leer. Die vertrauten Handgriffe sind nicht mehr gefragt, die Öle und Salben sind auf einmal nutzlos. Die Gewissheit ist ganz unerwartet erschüttert. Der Tod ist doch nicht unabänderlich. Das letzte Wort heißt plötzlich Leben.

Und was bewirkt dies bei den Frauen? Da ist tiefes Erschrecken. Die Frauen sind erschüttert. Was bisher Halt gegeben hat, die vertrauten Gewohnheiten, die helfen, mit dem Unabänderlichen fertig zu werden, all das gilt nun plötzlich nicht mehr. Ostern erschüttert die Sicherheit und Planbarkeit des Lebens und des Todes. Wie viel tun wir Menschen, um unser Leben planbar zu machen! Wir haben alle Lebensabläufe erforscht. Wir sichern uns ab für alle Eventualitäten.

Wir richten unser Leben ein wie unsere Wohnungen und Häuser. Wir möblieren ein paar Räume mit schönen Dingen, unsere paar Stunden mit lieb gewordenen Angewohnheiten und Abläufen, die uns Geborgenheit vermitteln und das wohltuende Gefühl, das Leben im Griff zu haben. Aber Ostern erschüttert genau dieses so schön geplante Leben. Es ist Gott allein, der das Werk von Ostern vollbracht hat, um uns aus unserer Selbstsicherheit, unserer Täuschung und aus den alten Gewohnheiten des Alltags herauszuholen.

Sorgt Ostern auch bei Ihnen eigentlich noch für Schrecken und Erschütterung? Oder gehört Ostern bereits zur jahreszeitlichen Routine, die nur angefüllt ist mit vertrauten Handgriffen, Gewohnheiten und Arbeiten. Nur wenn uns auch heuer wieder Ostern erschüttert, dann können wir bekennen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden, uns allen voran! Halleluja!