Vor 75 Jahren. Abt Maximilian Fürnsinn über das bewusste Hinschauen.

Von Probst Maximilian Fürnsinn. Erstellt am 11. Februar 2020 (00:09)

Eigentlich haben wir Österreicher Jubiläen und Gedenktage ganz gerne – allerdings nicht alle. Beispielsweise war die Befreiung des Konzen-trationslagers Auschwitz durch russische Streitkräfte vor 75 Jahren in unseren Medien nur eine Randnotiz.

ORF III hat einige Filme und Diskussionen zur Befreiung aus dem KZ gebracht. Erschütternd, welches Elend, wieviel Menschenverachtung, Gewaltorgien und eine grausame NS-Ideologie Millionen Menschen in dieser Tötungsfabrik ermordet hat. Ich habe mich diesen Dokumentationen bewusst ausgesetzt. Manchmal ist Hinschauen notwendig.

In der Morgenmesse des „Lichtmess-Tages“ ist mir die Hinrichtung des Jesuiten Alfred Delp vor 75 Jahren eingefallen. Am 2. Februar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee getötet. Alfred Hrdlicka hat diese Hinrichtungsstätte später einmal wie einen Schlachthof dargestellt: auf Fleischerhaken hingen die Hingerichteten. Manchmal ist es gut, in der Feier von Tod und Auferstehung Christi in der Eucharistie erinnert zu werden, welchen Tod ER für uns gestorben ist, um nicht in einen flachen Ritualismus zu verfallen.

Alfred Delp, Jahrgang 1907, Jesuit, als Priester in München tätig. Am 28. Juli 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet – und von Haftanstalt zu Haftanstalt gebracht. Seine Ordensgelübde legte er einige Monate später mit gefesselten Händen in der Gefängniszelle ab – gefesselt, aber frei in der Lebenshingabe. Bald darauf wird er vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tod verurteilt: „Da ist man kein Mensch mehr!“ Am 2. Februar 1945 wird er hingerichtet: Maria Lichtmess!

Trotz aller Finsternis hat Delp an Christus, das Licht, geglaubt. In einer Weihnachtsmeditation hat er einen bewegenden Satz ausgesprochen: „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein leben, sondern weil Gott es mit uns lebt!“

Heute spielen in unserem Land wieder viele mit gefährlichen Ideologien. Angesicht von Millionen ermordeten Juden muss man dagegen aufstehen!