Abschied von einem Vollblut-Seelsorger. Petrus Stockinger, Propst des Stiftes Herzogenburg, über den an Corona verstorbenen Pfarrer von Scheibbs, Karl Hasengst.

Von Propst Petrus Stockinger. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:25)

Karl Hasengst, der erst vor Kurzem in den Ruhestand übergetretene Pfarrer von Scheibbs, ist an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben – die NÖN hat davon berichtet. Mit ihm verliert die Diözese einen Vollblut-Seelsorger, der von unzähligen Menschen weit über den engeren kirchlichen Kreis hinaus sehr geschätzt wurde. Ich persönlich betrauere in ihm auch einen Freund: Ich durfte vor mehr als zehn Jahren das sogenannte Pastoraljahr bei ihm in Scheibbs verbringen, war also sein Lehrbub in Vorbereitung auf die Priesterweihe. Dieses Jahr war für mich sehr prägend und schön, daran hat Karl wesentlichen Anteil!

Unzählige Menschen werden ihn, so wie ich, für seinen guten Charakter und für sein Wirken als Seelsorger in dankbarer Erinnerung behalten und sein Dasein vermissen. Naturgemäß konnten Beisetzung und Requiem für Pfarrer Karl nur in eingeschränkter Form gefeiert werden. Außer der Predigt von Prälat Eduard Gruber wurde nur eine einzige Ansprache gehalten, und zwar durch Franz Aigner, den Bürgermeister von Scheibbs. Weitere „fried-höfliche Worte“ gab es nicht, was sicher im Sinn des Verstorbenen war.

Umso mehr war ich berührt beim Besuch seines Grabes. Mein Blick fiel auf eine Kranzschleife mit dem schlichten Satz „Du warst für uns ein guter Hirte!“ – es war der Kranz des Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrates. Kann eine Pfarre ihrem Pfarrer ein größeres Kompliment, ein eindrucksvolleres Nachwort bereiten als dieses? Wer immer sich dazu entschlossen hat, diese Worte zu wählen, hat damit drei Aspekte gleichzeitig angesprochen: Dank für das Wirken des Priesters als Hirte, das eigene Bekenntnis zur Glaubensgemeinschaft vor Ort und über allem die Hoffnung auf den obersten guten Hirten Jesus Christus.

Gerade weil im Rahmen dieses Begräbnisses an Worten gespart werden musste, kommt die Kostbarkeit eines so schlichten Satzes besonders zum Leuchten. Sehr schön! Das hat sich Pfarrer Karl wirklich verdient.