Allerseelen als Chance. Zu Lebenswert über den Tod hinaus.

Von Abt Maximilian Heim OCist. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:24)

In den vergangenen Jahren hat sich die Kultur des Sterbens, des Abschiednehmens, ja der Erinnerung an liebe Menschen, dramatisch verändert. War bis in das 20. Jahrhundert hinein das Sterben eingebettet in die Großfamilie, wurde es im Laufe des letzten Jahrhunderts immer mehr verlagert in die Stationen der Intensiv- oder der Palliativmedizin.

Was Hospize heute in der Sterbebegleitung leisten, ist ein Dienst der Liebe zum Menschen in seiner äußersten Not. Mich erschüttert gegenwärtig die schweigende Akzeptanz der Euthanasie, die in vielen Ländern des Wohlstandes um sich greift. Nicht wenige meinen, es sei ein Zeichen von letzter Freiheit, den begleiteten Freitod zu wählen.

Aber ist es nicht eine beschönigende und verhüllende Umschreibung einer hoffnungslosen Kapitulation am Ende des Lebens? Ich musste an meinen Onkel Peter denken, der um 1940 durch die Nationalsozialisten mittels Euthanasie umgebracht wurde, da er durch eine Kopfverletzung zum „lebensunwerten Leben“ abgestempelt wurde. Was damals himmelschreiendes Unrecht gegen die Menschlichkeit war, kann auch heute nicht umgedeutet werden, da das Recht auf Leben unantastbar ist.

Welche Perspektive haben wir am Ende des Lebens? Für den Glaubenden ist das Licht der Auferstehung Christi die Hoffnung, die auch die dunkelste Stunde des Leidens und Sterbens noch erhellt. Unsere Friedhöfe geben Zeugnis von diesem Glauben: Der Mensch wird am Ende seines Lebens nicht „entsorgt“. Wenn wir am Grab stehen, dann wissen wir: Gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft. Helfen wir einander in der Trauer über den Verlust von geliebten Menschen, diese Hoffnung nie zu verlieren.

Und wie? Auch wenn in diesem Jahr keine gemeinsame Feier zu Allerheiligen/ Allerseelen stattfinden kann, so empfiehlt die Kirche umso mehr, der Verstorbenen in Liebe und im Gebet zu gedenken. Das Gebet vereint die Seelen der Lebenden und Verstorbenen vor Gott, der unser Leben in Händen hält.