Anfang, Neubeginn. Abt Georg Wilfinger vom Stift Melk über die Chance zu Neuanfängen in diesem Jahr.

Von Georg Wilfinger. Erstellt am 16. Januar 2018 (00:58)

Zwei Wochen von 2018 sind schon wieder vorbei. Wir stehen mitten im Alltag. Niemand weiß, was dieses Jahr bringen wird. Unser Glaube aber sagt uns, dass unsere Zeit in Gottes Händen ruht und er uns mit seinem Segen an jedem neuen Tag begleiten wird. Daran versuchen wir immer wieder neu zu glauben.

Die Zeit ist gefüllt, manchmal auch überfrachtet mit Hoffnungen, Erwartungen und Wünschen. Oft halten die guten Vorsätze jedoch nicht lange an. Die Chance zum Neuanfang, sie ist schnell vertan.

Die Fähigkeit, anfangen zu können und etwas Neues zu beginnen, zeichnet uns Menschen aus. Wir können Akzente setzen, Entscheidungen treffen, einen Neuanfang wagen. Wir hoffen in diesem Jahr auf Veränderungen, Reformen und Verbesserungen, weil wir selbst zur Veränderung fähig sind. Wir wissen sogar mit Blick auf die Herausforderungen in Politik und Gesellschaft, dass nicht alles wie bisher bleiben kann, sondern sich manches ändern muss. Weder in der Gesellschaft noch in unserem eigenen Leben können wir uns einen Stillstand erlauben.

Auf neue Herausforderungen müssen auch wir immer neu reagieren. Darin liegt die eigentliche Größe unseres Menschseins: dass wir nicht nur nach festgelegten Mustern funktionieren, sondern eben auch für Überraschungen gut sind. Der Mensch ist in gewisser Hinsicht frei und unabhängig, ein ständiger „Anfänger“. Mit dem Begriff „Anfänger“ verbinden wir zunächst etwas Unvollkommenes. Dem Anfänger fehlt Erfahrung, Übung, das Können. Was der Anfänger probiert, geht vielfach daneben. Anfangen können ist etwas Positives, es zeichnet uns Menschen aus. Vor uns liegt ein Jahr, welches uns viele Neuanfänge bietet: Da wäre es nötig einen Kontakt wieder aufzunehmen, ein klärendes Gespräch zu suchen, es wäre an der Zeit, für sich selbst etwas zu tun, am eigenen Lebensstil etwas zu ändern, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Dabei muss nicht alles sofort zu einem sichtbaren Erfolg führen. Es ist das Privileg des Anfängers, etwas auszuprobieren, in Angriff zu nehmen, es versuchen zu dürfen.

Ich wünsche uns den Mut und die Kraft, solche Neuanfänge zu wagen.