Auferstehung als Trost. Weihbischof Stephan Turnovszky über Auferstehung und das Friedenfinden mit der nichtumkehrbaren Vergangenheit.

Von Stephan Turnovszky. Erstellt am 07. April 2021 (02:08)

Wie soll man das verstehen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und lebt? Dazu eine Geschichte: In der Nummer 11/2021 der Kirchenzeitung der Erzdiözese Wien „Der Sonntag“ wurde vom erschütternden Schicksal des Ehepaares S. aus dem Weinviertel berichtet: Herr S., Pensionist, infizierte sich beim Skiurlaub in Ischgl vor über einem Jahr mit dem Coronavirus. Wenige Wochen danach musste er bereits ins Hollabrunner Krankenhaus. Dorthin wurde weder seine Frau noch priesterliche Unterstützung, die ihm wichtig gewesen wäre, zugelassen. Am Karfreitag 2020 verstarb Herr S. im Krankenhaus, einsam und ohne Begleitung. Seine Witwe hatte ihn zum letzten Mal gesehen, als die Rettung ihn von zu Hause abholte. Welchen Trost vermag „Auferstehung“ in so einem tragischen Fall zu geben? Ist sie nicht eine lebenslängliche Vertröstung für die leidende Witwe, der nach wie vor die Bilder jener Tage aufsteigen?

Die ersten Worte des auferstandenen Jesus an seine Jünger lauteten: „Friede sei mit euch!“ Er sprach sie an, verängstigte Männer, die sich Vorwürfe machten, ihren Freund verlassen und verraten zu haben, die nicht wussten, wie es weitergehen sollte, deren Lebensperspektive zerbrochen war. Dazu zeigte Jesus ihnen seine tödlichen Wunden. Jesu Auferstehung meint also nicht ein billiges „Alles wieder gut“ oder „Nicht so schlimm“, sondern es meint: Obwohl es wirklich schlimm war, schenkt Gott neuen Frieden, weil er dafür gerade steht, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Christliche Hoffnung auf die Auferstehung meint nicht einen realitätsfernen Optimismus, der damit spekuliert, dass schon alles gut ausgehen wird, sondern die innere Gewissheit, dass das, was nicht gut ausgeht, dennoch durch Gott im Letzten einen guten Sinn ergeben wird.

Zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu vergingen nur drei Tage, bis den Jüngern die Augen aufgingen und sie das begriffen. Für manche Menschen sind es mitunter drei Jahre oder noch länger, bis ihnen der auferstandene Jesus begegnet und ihnen den Frieden mit ihrer nicht umkehrbaren Vergangenheit schenkt. Das Osterfest ist die Einladung Gottes, die Augen des Herzens zu öffnen, um dem auferstandenen Jesus mitten im eigenen Leben zu begegnen. Das ist mein Osterwunsch für Frau S. und Sie alle.