„Brutal unharmonisch“. Abt Petrus Pilsinger (Stift Seitenstetten) über falsches Harmoniebedürfnis.

Von Petrus Pilsinger. Erstellt am 19. Juni 2018 (00:59)

So lautet eine Kapitelüberschrift in einem Jesus-Buch von Bischof Hermann Glettler, das ich vor kurzem gelesen habe. Gemeinsam mit dem Therapeuten Michael Lehofer behandelt er 24 Schriftstellen des Neuen Testamentes, in denen uns Jesus durch verstörende Aussagen als „fremde Gestalt“ erscheint.

„Brutal unharmonisch“ bezieht sich auf folgende Aussage Jesu: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“

Jesus selbst predigt Gewaltfreiheit und fordert radikalen Gewaltverzicht. Er lebt die Gesinnung des Erbarmens. Selbst unter extremen Repressalien am Ende seines Lebens bleibt er bei seiner Haltung. Er wollte keine faulen Kompromisse gelten lassen. Genau darum geht es Jesus. Schwert steht in dieser Aussage Jesu für Entscheidung, und dies kann manchmal schmerzhafte Folgen haben.

Als Abt macht mir das manchmal große Schwierigkeiten. Ich bin ein Mensch mit großem Harmoniebedürfnis. Ich kenne die Versuchung, um des lieben Friedens willen oder um ja niemandem wehzutun, den einfachen Weg des faulen Kompromisses zu gehen. Doch manchmal sind klare – messerscharfe – Entscheidungen gefordert, auch wenn sie uns nicht leicht fallen!

Wie viel Unfrieden entsteht manchmal aus bloßem Harmoniebedürfnis? Sind aber ihre wahren Hintergründe nicht oft Feigheit, Unentschlossenheit, manchmal auch Bequemlichkeit und Angst? Angst, das Ansehen oder das Wohlgefallen aufs Spiel zu setzen? Da ist Jesus mit seiner Forderung wirklich „brutal unharmonisch“.

Wie viele faule Kompromisse schleppe ich im Leben mit? Wo sollte ich in meinem Leben Klarheit schaffen, Entscheidungen treffen? Nicht um des Friedens willen, sondern um der Erlösung willen?