Der Mehrwert der Liebe. Thomas Renner OSB, Abt vom Stift Altenburg, über Dienstleistungen und die Frage, wie echt die Liebe ist, mit der wir unser Tun erfüllen.

Von Abt Thomas Renner. Erstellt am 31. März 2021 (05:21)

Das Wort „dienen“ hat heute einen etwas antiquierten Klang. Der „Job“ hat im Alltag den „Dienst“ verdrängt. Nur in wenigen Berufen kommt der Dienst noch vor, wie zum Beispiel bei Beamten im Staatsdienst, Militärdienst, Zivildienst. Und dies, obwohl sich unsere Gesellschaft heute als eine Dienstleistungsgesellschaft versteht. Man spricht lieber von Service – und Service wird heute großgeschrieben. Keine Organisation kommt darum herum, ein gutes Service anzubieten.

In dem Zeichen der Fußwaschung, das Jesus gesetzt hat und dessen Nachahmung er von seinen Jüngern erwartet, geht es um mehr als um eine Dienstleistung, um mehr als um ein Service, auf das ein umsichtiger Gastgeber Wert gelegt hat. Darin ist ein Mehrwert enthalten, den man nicht berechnen und verrechnen und auch nicht fordern kann. Der Apostel Paulus drückt es im Hohelied der Liebe im Brief an die Korinther mit den Worten aus: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. . . Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. . .“

Nur von diesem Mehrwert der Liebe her ist zu verstehen, was Jesus getan hat und warum wir unser ganzes Leben an ihm und seinem Beispiel ausrichten sollen. Um diesen Mehrwert der Liebe geht es in all unseren Beziehungen. „Hätten wir die Liebe nicht. . .“ Das ist natürlich eine gewaltige Herausforderung für jeden Einzelnen von uns, der sich und sein Leben in die Nachfolge Jesu stellt.

Es geht nicht darum, wie sachkundig und gut wir etwas machen, nicht darum, wie viel wir tun und leisten, es geht darum, wie echt die Liebe ist, mit der wir unser Tun erfüllen. Liebe ist zwar ein Gefühl, sie ist aber immer zugleich auch mehr als ein Gefühl. Es kann auch Liebe sein, wenn uns etwas Überwindung kostet. Ohne diese Liebe gibt es kein Christentum.