Erstellt am 17. April 2018, 01:08

von Matthäus Nimmervoll

Ein Reifungsprozess. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über Aufgaben, mit denen Menschen wachsen.

Immer wieder gibt es Ereignisse im Leben, die uns herausfordern. Plötzliche Schicksalsschläge können uns aus der gewohnten Bahn werfen. Manche Krisen brechen über uns herein und müssen bewältigt werden. Große Anstrengungen und ein voller Einsatz sind dann notwendig und werden von uns erwartet.

Die Versuchung, davor zu fliehen, ist da gelegentlich sehr groß. Die Frage, ob wir da überhaupt zuständig sind, taucht auf. Oder wir ziehen uns aus der Affäre – nach dem Motto: Das geht mich nichts an. Bestimmt haben wir dabei auch schon an die Worte Jesu am Ölberg gedacht: Vater, lass diesen Kelch an mir vorüberziehen! Alle vier Evangelisten berichten davon (Matthäus 26,39; Markus 14,36; Lukas 22,42; Johannes 18,11).

Was machen wir, wenn uns eine neue Aufgabe oder ein öffentliches Amt übertragen wird? Weichen wir dann zurück? Oder nehmen wir an und versuchen wir es trotzdem? Auf jeden Fall haben wir eine Wahl zu treffen. Eine Entscheidung wird verlangt. Bei Kleinigkeiten und alltäglichen Dingen können wir routinemäßig handeln. Dagegen müssen Lebensfragen und verantwortungsvolle Aufgaben nach guter Beratung mit ganzem Herzen entschieden werden. Der österreichisch-jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (geb. 1878 in Wien, gest. 1965 in Jerusalem) meint: Es ist Gott, der mir die Situation hinreicht, auf die ich zu antworten habe. Was kann das bedeuten? – Wer sich dieser höheren Macht verpflichtet weiß, kann solche Geschehnisse in seinem Leben als Aufgaben betrachten. Aufgaben für die Mitmenschen als Dienst an ihnen. Aber auch Aufgaben, die ihn dem Göttlichen näher bringen. So gesehen lassen uns solche Aufträge wachsen und reifen.

Freilich müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir vollkommene Menschen wären und immer genau das Richtige tun werden. Einiges wird gelingen, anderes nicht oder nur teilweise. Aber Dazulernen ist keine Schande, solange wie uns mit gutem Willen bemühen und Herausforderungen annehmen. Schon der römische Kaiser und Philosoph Mark Aurel (geb. 121 in Rom, gest. 180 in Vindobona-Wien) schrieb: Nimm das Schicksal ohne Anmaßung an, wie es dir jeweils gerade beschieden sein mag.

Wahrlich für uns alle eine lebenslange Aufgabe!