Erstellt am 28. Dezember 2016, 00:54

von Abt Maximilian Heim OCist

Einen „guten Rutsch“. Abt Maximilian Heim (Stift Heiligenkreuz) über die oft schwierige Zeit zwischen Weihnachten und dem Neujahrsfest.

Bis kurz vor dem Jahreswechsel wünschen wir uns oft einen „Guten Rutsch“. Das hat nichts mit eisigen und glatten Wegen zu tun. „Rutsch“ kommt ursprünglich aus dem Jüdischen von: „Rosch ha schana tov“, wörtlich „einen guten Kopf (Anfang) des Jahres“. Mit dem Läuten der Pummerin in Wien und vielen Glocken weltweit wird das neue Jahr eingeläutet. Ab diesem Zeitpunkt heißt es „Prosit Neujahr“, weil wir schon in das neue Jahr „hineingerutscht“ sind. „Prosit“ kommt vom lateinischen Wort „prodesse“ und heißt „nützen“ oder „zuträglich sein“. Wir wünschen uns alles Gute und als Gläubige: „Gottes Segen!“

Aber senkt sich nicht oft Nebel über viele Seelen in diesen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr? Die Drähte der Telefonhotline für Hilfe in seelischer Not glühen. Weihnachten scheint wieder Schnee von gestern zu sein, und gnadenlos holt uns die Wirklichkeit ein. Sind die süßen Gesänge von der „gnadenbringenden Weihnachtszeit“ nur die Vorspiegelung einer heilen, märchenhaften Vergangenheit?

Wer eines der Lieblingslieder von Weihnachten „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ genauer bedenkt, merkt, dass die harten Ereignisse sehr wohl wahrgenommen werden: „Welt ging verloren“. Das Lied zeigt uns aber auch den Weg aus unserer Verlorenheit: Es ist das Kind in der Krippe, Jesus, dessen Licht stärker ist als die Dunkelheit, die unsere Welt gefangen hält: „Christ ist geboren. Freue, freue dich, o Christenheit!“ Der Evangelist Johannes schreibt in der Bibel am Anfang seines Evangeliums starke Worte über Jesus: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“

Wenn wir auf das vergangene Jahr zurückblicken, befällt nicht wenige die Angst mit der bohrenden Frage: „Wie wird es weitergehen?“ Im Psalm 31 lesen wir den Satz: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ In der lateinischen Übersetzung, die die Mönche singen, hat das lateinische Wort „tempora“ eine zweifache Bedeutung: Es sind sowohl die „Zeiten“ als auch die „Schläfen“ gemeint. Wenn also meine Schläfen in seinen Händen ruhen, dann begreife ich, dass wir als Glaubende nicht einem gnadenlosen Schicksal ausgeliefert sind, sondern selbst in dunkler Zeit sein wärmendes Licht wahrnehmen, das uns weihnachtliche Freude auch im neuen Jahr schenken möge. Diesen guten Anfang allen Menschen, die uns begegnen, von Herzen zu gönnen, heißt: „Rosch ha schana tov“, wörtlich „einen guten Kopf (Anfang) des Jahres“ – einen „guten Rutsch“ 2017!