Erinnerung an unsere Vergänglichkeit. Über das Aufstreuen der Asche am Aschermittwoch in Rom.

Von Pius Maurer. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:44)

Heuer ist in Österreich – wegen Corona – vorgesehen, dass in den Aschermittwoch-Gottesdiensten die Gläubigen kein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet bekommen. Stattdessen wird ihnen schweigend Asche auf das Haupt gestreut. Als ich vor Jahren in Rom mein Theologiestudium absolvierte, erlebte ich, dass dort kein Aschenkreuz, sondern das Streuen der Asche auf das Haupt in den Aschermittwoch-Gottesdiensten üblich ist.

Unvergesslich bleibt für mich, wie mir Papst Johannes Paul II. am Aschermittwoch 1993 die Asche auf mein Haupt gestreut hat. Der Pontifex kommt normalerweise, wenn keine Pandemie oder anderes ihn daran hindert, am Aschermittwoch auf den Aventin, einen der sieben Hügel Roms. Dort zieht er von der Benediktinerabtei Sant’Anselmo mit großem geistlichen Gefolge zum Dominikanerkloster Santa Sabina, wo der eigentliche Aschermittwoch-Gottesdienst stattfindet. Durch eine glückliche Fügung durfte ich mich 1993 unter jenen einreihen, die vom Papst die Asche aufgestreut bekamen.

Auch wenn man in Rom Student ist, hat man nur sehr selten die Möglichkeit, ganz nahe zum Papst zu kommen. Eine Begegnung mit dem Papst in nächster Nähe zu einem freundlichen Austausch von Worten oder Gesten zählt zu den Highlights im Leben eines jungen Theologiestudenten. Damals schien so eine Gelegenheit gekommen zu sein. Allerdings war Aschermittwoch. Als ich vor dem Papst stand, sah er mich mit ernster Miene an und sagte auf lateinisch: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Mir wurde bewusst, dass der Papst – neben all seiner sonstigen Freundlichkeit – natürlich die Botschaft des Aschermittwochs ausrichten musste, in aller Seriosität und Würde. Mittlerweile ist Papst Johannes Paul II. verstorben und sogar heiliggesprochen. Jeder Mensch stirbt einmal. Das irdische Leben ist vergänglich. Nur die Seele in ihrer Freundschaft mit Gott und mit ihren Werken der Liebe bleibt. Der Aschermittwoch erinnert an die Vergänglichkeit.

Alles Materielle auf unserer Erde ist vergänglich, übrigens auch die Corona-Pandemie.