Erstellt am 17. Januar 2017, 00:55

von Matthäus Nimmervoll

Freundschaften. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über die Frage, wie man dauerhafte Freundschaften erwirbt.

Es ist eine oft bemerkte Tatsache: Manche haben viele Freunde. Andere wiederum leiden unter Einsamkeit und finden einfach keinen Anschluss. Wie erwirbt man Freunde? Geschieht das durch Sympathie, Humor oder Herzlichkeit? Oder liegt es daran, möglichst eifrig in Vereinen mitzuarbeiten? Oder unermüdlich bei kirchlichen Veranstaltungen Kuchen bringen und Kaffee ausschenken?

Das alles kann möglicherweise dazu beitragen, ein Netzwerk von Freundschaften aufzubauen. Aber ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Der deutsche Schriftsteller und Historiker Berthold Auerbach (1812 - 1882) gibt den Rat: Warmherzige Hingebung erwirbt Freunde, maßvolle Haltung bewahrt sie.

Aber wie lässt sich dieser scheinbare Gegensatz von Zuwendung und Zurückhaltung erklären?

Warmherzige Zuwendung ist dann gefragt, wenn unsere Mitmenschen Unterstützung brauchen. Da sollten wir mit ganzer Aufmerksamkeit und vollem Einsatz unsere Hilfe anbieten.

Andererseits tun wir gut daran, in eigener Notlage niemanden zu überfordern und für jede Unterstützung dankbar sein, die uns freiwillig gewährt wird. Gerade die Freiwilligkeit ist ein besonderes Kennzeichen echter Freundschaft, damit kein Abhängigkeitsverhältnis entsteht. Geleistete Hilfe darf keinen Anspruch auf gleichwertige Gegenleistung erheben!

Soll eine Freundschaft von Dauer sein, müssen wir auch emotional eine „maßvolle Haltung“ bewahren. Vertrauensvoller Umgang stärkt eine Freundschaft – zu schnelle und große Vertraulichkeiten verkürzen oft eine freundschaftliche Verbindung rascher, als man glaubt. Denn nicht jeder Freund oder jede Freundin kann mit einem dramatischen Gefühlsausbruch zurechtkommen oder etwas anfangen. Hier braucht es Feingefühl und ein gutes Gespür füreinander, was man durch Erfahrung lernen kann.