Gelassenheit und Dankbarkeit. Über neue Erkenntnisse.

Von Michael Proházka. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:14)

Wer hätte das vor einigen Monaten gedacht? Als ich Anfang März aus meiner Heimat Österreich an meine Arbeitsstätte, das Collegium Orientale in Eichstätt, zurückkehrte, konnte ich nicht ahnen, dass ich wenige Tage später für geraume Zeit „hinter verschlossenen Türen“ leben muss – sowie die Apostel nach dem Tod Jesu.

Ein kleines unscheinbares Virus, das vor keinen Grenzen Halt macht und unzähligen Menschen in dieser Welt den Tod brachte, hat dies quasi über Nacht „zustande gebracht“. Eine Fahrt nach St. Pölten, um dort die Vorlesungen über Ostkirchenkunde an der Philosophisch-Theologischen Hochschule fortzusetzen, wie ich sie noch geplant hatte, war auf einmal nicht mehr möglich. Mit dieser Erfahrung des „Eingeschlossen-Seins“, aber auch der der ständig präsenten Angst vor einer möglichen Infektion musste ich zunächst einmal fertig werden.

Und ich gestehe gerne ein, dass mir dies anfänglich gar nicht leicht gefallen ist. Aber je länger ich mich in dieser „erzwungenen“ Situation befand, konnte ich mich einer neuen Erfahrung öffnen: Beim täglichen Gang in unsere Hauskapelle, die dem Pfingstfest geweiht ist, wurde mir klar und deutlich: So, wie dieses unheimliche Virus im negativen Sinn keine Grenzen kennt, so kennt auch der Geist Gottes im positiven Sinn keine Grenzen. Und auch er wirkt in positiver Weise „ansteckend“.

Diese Erkenntnis konnte mir tatsächlich eine große innere Gelassenheit und Dankbarkeit schenken. Und dann bin ich eigentlich per Zufall auf die berührenden Gedichtzeilen der Dichterin Mascha Kaléko gestoßen, Anfang des 20. Jahrhunderts im galizischen Chrzanów, dem damaligen Österreich-Ungarn, geboren: „Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder. Sie sind schon längst verzeichnet im großen Plan. Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.“

Da spürte ich so deutlich wie noch nie: Ja – Pfingsten, das Fest des neuen Lebens, findet wirklich statt!