Glaube und Vernunft

Weihbischof Stephan Turnovszky über den vernünftigen Glauben an die Existenz Gottes.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:58
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Für mich gibt es wenig Vernünftigeres als den Glauben an Gott. Gottes Existenz ist zwar nicht beweisbar, aber seine Nichtexistenz ist genauso wenig beweisbar und daher auch ein „Glaube“. Deshalb wähle ich den vernünftigeren Glauben, den an die Existenz Gottes.

Die moderne Physik ab dem 20. Jahrhundert beschreibt unser Universum als etwas, das wir mit unserer menschlichen Perspektive prinzipiell nicht ganz erkennen können. Wir werden auch in Zukunft mit Fragen leben müssen und mit Staunen leben dürfen. Wie kann man also die unerklärliche Existenz dessen, was ist, begründen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: A) Das Universum ist (von außen) gewollt und hat daher einen Sinn, oder B) es existiert eben, obwohl es genauso nicht existieren könnte, zufällig und ist daher ohne Sinn, sinnlos.

Was ist wahrscheinlicher? Dass alles durch Zufall ist, wie es ist, oder dass es aufgrund einer gegebenen Ordnung ist, wie es ist? (In Analogie: Ist es wahrscheinlicher, dass die Buchstaben in diesem Text absichtlich so angeordnet sind, wie Sie sie gerade vorfinden, oder halten Sie das für einen Zufall, der es natürlich auch sein könnte. Nur wäre das sehr unwahrscheinlich.)

Ich entscheide mich schon aus Vernunftgründen (!) für das Wahrscheinlichere. Ja, der Gottglaube ist der „vernünftigere“ Weg, weil er der höheren Wahrscheinlichkeit folgt. Jede Ordnung gibt es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zufällig, sondern durch eine ordnende Instanz. Gottglaube und Vernunft sind kein Widerspruch, ganz im Gegenteil!