Gott wischt die Tränen ab

Erstellt am 05. Oktober 2022 | 05:47
Lesezeit: 2 Min
Maximilian Heim, Abt von Stift Heiligenkreuz, über den Abschied von der Queen.
Werbung

Vier Milliarden Menschen nahmen Anteil an den Trauerfeierlichkeiten für Queen Elisabeth. Nichts wirkte lächerlich, nichts aufgesetzt. Es war wie ein Blick in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft einer Frau, die weltweit bewundert wird. Für eine Gesellschaft, die den christlichen Blick auf das Ende des Lebens immer mehr verschleiert und den Tod mehr und mehr „entsorgt“, ja selbst der Trauer kaum mehr Raum schenkt, war es bewegend, wie viele Tausend Menschen sich aufmachten, um sich am Sarg dieser herausragenden Frau mit christlichem Sendungsbewusstsein und glaubwürdiger Dienstbereitschaft zu verabschieden.

Wie oft leuchtete uns das Kreuz ihrer Krone entgegen – wie ein Glaubensbekenntnis an den, der gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Mich erinnerte dieser Abschied an die Millionen, die 2005 sich von Papst Johannes Paul II. verabschiedeten. Niemand rechnete damit, dass sich so viele junge Menschen von überall her aufmachten, um noch einmal ihre Liebe und Dankbarkeit gegenüber einer Person zu bekunden, die ihnen in schwierigen Zeiten Halt und Richtung gegeben hat.

In unserer Handschriftensammlung gibt es ein Buch aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich eine Zeichnung befindet, die zeigt, wie Jesus die Tränen vom Gesicht der trauernden Person abwischt, ihr liebevoll die Hand auflegt und sie tröstet. So erfüllt sich das Wort: Gott wischt die Tränen ab von jedem Gesicht, denn er ist unsere Zukunft.