In der Kirche mit Maske. Petrus Pilsinger, Abt vom Stift Seitenstetten, über die Entscheidung der Kirche gegen einen 3G-Nachweis für Gottesdienste.

Von Petrus Pilsinger. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:34)

Zuletzt wurde ich öfter gefragt, warum bei den Sonntagsgottesdiensten immer noch ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist. Die Kirchen waren in den Zeiten des Lockdowns stets für alle für das Gebet offen. Mit Zwei-Meter-Abstand und FFP2-Maske durfte auch in dieser schweren Zeit miteinander Messe gefeiert werden. Gott sei Dank sind diese strengen Zeiten vorerst einmal vorbei!

Überschwänglich waren die Verheißungen, nach dem 1. Juli würde die große Öffnung stattfinden. Und tatsächlich: Die Gastronomie zum Beispiel darf ohne Einschränkung öffnen. Es dürfen Hochzeiten und Feste wie üblich stattfinden. In Seitenstetten konnten wir die Gartentage in unserem historischen Hofgarten durchführen. Tausende sind gekommen. Diese Freiheiten gibt es jedoch nur unter der Einschränkung, dass ausschließlich jene Menschen daran teilnehmen dürfen, die einen 3G-Nachweis erbringen. Wer diesen nicht hat, ist ausgeschlossen.

Freilich könnten wir diese Kriterien auch in der Kirche geltend machen. Dem folgend, müssten wir im Gottesdienst keine Masken tragen. Aber es wurde entschieden, dass der Zugang zu gemeinsamen Gottesdiensten für alle gegeben sein soll. Das halte ich für ein gutes Signal. Religionsausübung gehört zum Grundbedürfnis des Lebens. Das Ausschließen von Menschen hat weder den Menschen, noch der Kirche je gut getan. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ermöglicht also in verantwortlicher Weise eine weite Öffnung. Als Kirche Jesu Christi stehen wir dafür, dass wir einen Gott haben, der will, dass alle Menschen den Weg zu ihm finden, unabhängig vom Infektionsstatus, von der moralischen Würde, von der Geschichte eines Menschen. Gott will jedem begegnen, dessen Herz für die Begegnung bereit ist.

Um langfristig und nachhaltig in der Kirche niemand auszuschließen, wird das Tragen von Mund-Nasen-Schutz allein aber auch nicht reichen. Dazu braucht es noch mehr: ein offenes, bereites und barmherziges Herz der Kirche selber.