Lob auf die Schöpfung. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über Franz von Assisi und die Aufforderung, mit der Schöpfung im Einklang zu leben.

Von Matthäus Nimmervoll. Erstellt am 06. Oktober 2016 (07:10)

„Laudatio si“ – noch nie hatte ein päpstliches Schreiben einen so volkstümlichen italienischen Lobgesang als Überschrift. Aber Papst Franziskus trägt als erster Papst den Namen dieses bekannten Heiligen und beginnt sein Rundschreiben mit dem „Lobgesang der Geschöpfe“ (Cantico delle Creature), besser bekannt unter dem Namen „Sonnengesang“, obwohl es hier nicht nur um die Schwester Sonne geht, sondern um sehr viel anderes aus der Schöpfung bis hin zum leiblichen Tod.

Dieser Lobgesang ist nicht während eines Spazierganges durch die Natur entstanden, sondern ganz im Gegenteil: Der Heilige lag krank darnieder, die Augen schmerzten nach misslungener Behandlung und herumkrabbelndes Ungeziefer und Mäuse raubten ihm den Schlaf.

Dennoch lobt Franziskus seine Umwelt als etwas Gutes. Auch das Feuer, mit dem man versucht hat, sein Augenleiden zu heilen, indem die Ärzte ihm die Schläfen verbrannten – eine schmerzhafte und letztlich sinnlose Behandlung – lobt er als „kraftvoll, fröhlich und stark“.

Als Gegenpol zum Feuer lobt er das Wasser als „demütig, kostbar und bescheiden“. Mit ihm kann das Feuer der Schmerzen gelöscht und gelindert werden. Das Wasser der Tränen kann den inneren Brand einer Krankheit oder Kränkung löschen.

In ihrer Einfachheit kann ich als gläubiger Mensch die Natur als Schöpfung Gottes betrachten, wo einer dahinter steht, der sie geschaffen – und gut erschaffen hat – nämlich Gott.

Schließlich nennt Franziskus auch den Tod seinen Bruder, weil er nicht ein endgültiges Ende ist, sondern Durchgang in eine neue Welt bei Gott, der alles, was er geschaffen hat, nicht endgültig wieder zerstört.

So lädt uns der Tagesheilige Franz von Assisi ein, nicht nur an den Welttierschutztag zu denken, sondern mit der ganzen Schöpfung im Einklang zu leben, sie als Bruder und Schwester anzunehmen und dementsprechend mit Hochachtung und Zuneigung zu behandeln.