Ostern als Hoffnungsfest. Weihbischof Stephan Turnovszky über unsere Ängste und das Thema der eigenen Verletzlichkeit und Sterblichkeit.

Von Stephan Turnovszky. Erstellt am 31. März 2021 (05:32)

Ängste gehen um in Österreich, und zwar recht unterschiedliche. Es gibt Ängste in Bezug auf die Gesundheit: Angst vor Erkrankung, Angst vor einem Kollaps des Gesundheitssystems, und – unter den medizinisch Berufstätigen – Angst vor Überlastung. Die zweite große Angstgruppe bezieht sich auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie: Menschen haben Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor dem Konkurs, vor Schulden, vor Armut und ihren Folgen. Schließlich gibt es die politisch motivierten Ängste vor Willkür, Einschränkung der Freiheitsrechte, letztlich vor einer Diktatur.

Die Vielfalt der grassierenden Ängste macht es so schwer, darüber nüchtern ins Gespräch zu kommen. Denn jeder hat andere Ängste, und jede Angst ist ernst zu nehmen. Eines verbindet aber alle Angsttypen: Im Allerletzten geht es immer um die Angst vor dem Tod. Sei es Tod durch Krankheit, Tod als Folge der Armut oder Tod durch die Willkür der Mächtigen. Die Mutter jeder Angst ist die Angst vor dem Tod.

Christen haben auf diese Angst eine besondere Antwort gefunden. Sie besteht im Glauben an Jesus von Nazareth, der gekreuzigt wurde, aber nach seinem Tod als Lebendiger vielen Menschen erschienen ist. Nicht in derselben Art des Lebens, wie man ihn vorher gekannt hatte, sondern in einer neuen, vollendeten Lebensform, die wir seither „Auferstehung“ nennen. Aus diesem Grund messe ich dem heurigen Osterfest eine ganz besondere Bedeutung zu: Obwohl die Mitfeier nur unter Covid-Präventionsauflagen möglich sein wird, vermag sie doch mehr Menschen als sonst existentiell anzusprechen, weil einem jeden das Thema der eigenen Verletzlichkeit und Sterblichkeit näher ist als in den Jahren vor der Pandemie.

Aber ganz gleich, ob Sie real in einer schütter besetzten Kirche mitfeiern oder über die Medien, ob Sie sich in eine leere Kirche setzen oder vor einem Wegkreuz Halt machen: Erzählen Sie dem auferstandenen und daher gegenwärtigen Jesus Christus von Ihren Ängsten, und bitten Sie ihn doch, Ihnen mit seiner Kraft nahe zu sein. Dann wird das Osterfest mehr sein als ein Frühlingsfest, es wird Ihr existentielles Hoffnungsfest, weil Jesus tatsächlich den Tod besiegt hat und lebt!