Schöpfung in Gefahr. Abt Michael Proházka (Stift Geras) über die fehlende globale Verantwortung.

Von Michael Proházka. Erstellt am 12. September 2017 (00:08)

Die Herbstmonate sind in unserer kirchlichen Tradition die Zeit des Erntedankfestes. Auch wenn sich Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten von einem reinen Agrargebiet weg zu einer vielfältigen Region verändert hat, erfreuen sich diese Bräuche weiterhin großer Beliebtheit und Akzeptanz.

Ich begreife dies nun als Chance, unsere Gläubigen für eine globale Schöpfungsverantwortung zu sensibilisieren. Das Erntedankfest muss uns deutlich machen, wie sehr unsere Schöpfung durch Ausbeutung, Raffgier und rücksichtslosen Egoismus immer wieder neu gefährdet wird. Papst Franziskus und der ökumenische Patriarch Bartholomäus haben daher heuer zu Recht eine gemeinsame Botschaft zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung verfasst, indem sie genau diese Problematik deutlich ansprechen und zu einer Besinnung und Umkehr mahnen.

Wenn die Zündung einer Wasserstoffbombe in Nordkorea Tausende Kilometer entfernt mit einem Seismografen im Keller der HTL Hollabrunn gemessen wird, dann muss uns dies doch mehr als nur zu denken geben! Wo bleiben da Protest und Mahnung auch vonseiten kirchlicher Vertreter?

Es ist meiner Meinung falsch, wenn wir der Ansicht sind, dass dies die Kirche nichts angehe! Im Gegenteil – wir haben die Pflicht, darauf hinzuweisen, aber nicht aus einer romantischen Verklärung der Natur heraus, sondern weil wir aus unserem Glauben heraus überzeugt sind, dass unsere Welt Gottes gute Schöpfung sein kann, wenn der Mensch nur bereit ist, Gott als seinen Schöpfer anzuerkennen! Im Schöpfungsbericht des Buches Genesis heißt es am Ende jedes Tages: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Es liegt an uns Christen, dass es eines Tages nicht heißen wird, dies sei nur ein Traum gewesen!