Vertrauen in das neue Jahr

Thomas Renner, Abt von Stift Altenburg, mit Gedanken zum neuen Jahr.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:17
Lesezeit: 1 Min

„Wer auf Christus sich ganz verlässt, dessen Glück steht felsenfest!“ So besagt es ein altes Sprichwort. Wir wissen, dass „Glück“ nicht heile Welt bedeuten kann; es meint die Gnade, die Kraft, auf die wir auch in schweren Zeiten bauen können. Zunächst liegt dieses neue Jahr nun vor uns wie ein unbeschriebenes Blatt: „Alles ist möglich!“ Ich kann es füllen, womit ich will!

Das stellt sich aber oft schnell als Illusion heraus. Wenn ich meine beschränkten Möglichkeiten betrachte, kommt vieles nicht mehr in Frage. Manchmal ist es besser zu überlegen, was man nicht mehr tun will, und auch das ist nicht immer einfach. Neujahrsvorsätze haben meist eine kurze Lebensdauer.

Aber was wird es nun bringen, das neue Jahr? Wird Gott die Mächtigen vom Thron stoßen und die Niedrigen erhöhen? Wird er die Hungernden beschenken und die Reichen leer ausgehen lassen? Wird die Welt endlich Wege aus dieser einen großen Krise und den vielen anderen Krisen finden? Werden wir ganz persönlich das erreichen können, was wir uns vorgenommen haben?

Es wird wohl wieder ein Jahr werden, in dem Freud und Leid ihren Platz haben. Es ist gut, dass wir jetzt noch nicht wissen, was auf uns zukommt. Doch eines wissen wir: Gottes Verheißung bleibt bestehen, nicht wie ein Versprechen, das sowieso nie eingelöst wird, sondern wie eine Zusage.

In diesem Vertrauen gehen wir hinein in das neue Jahr 2022 und es begleiten uns dabei die Worte von Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“