Vom Segen der Fastenzeit. Über die Frage, warum man auch heuer ganz bewusst verzichten sollte.

Von Stephan Turnovszky. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:44)

Alle Jahre wieder: Frühlingsputz für Leib und Seele! Genau das will die Fastenzeit sein. Ganz offiziell heißt sie ja „österliche Bußzeit“ oder „die heiligen 40 Tage“. In der Tat sind es genau 40 Tage vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag, wenn Sie die Sonntage nicht mitzählen, denn Sonntage sind keine Fasttage.
Fasten wozu? Es ist uralte Menschenweisheit, dass nur Menschen, die zu verzichten gelernt haben, glückliche Menschen sein können. Die Fastenzeit bietet die kollektive Gelegenheit, Verzicht einzuüben, mit dem Ziel, gelassener und zufriedener zu leben. Inmitten der Pandemie ist die Situation ein wenig verändert: Wir müssen ja ohnehin auf so vieles verzichten, warum soll man Verzicht noch zusätzlich üben? Meine Antwort: Üben Sie das Verzichten nicht in den Bereichen, in denen es ohnehin Einschränkungen gibt, sondern in anderen Bereichen, in denen Sie persönlich es nötig haben. Fasten soll nicht ein spiritueller Leistungssport werden, sondern Ihnen helfen, Ihre Schwachstellen auszugleichen. Das geht nur mit Ihren persönlichen Fastenvorsätzen.

Ein paar Beispiele: Heuer wird wohl nicht das Jahr sein, um sich bei Gasthausbesuchen einzuschränken, weil wir sie schon lange entbehren mussten, das braucht man jetzt nicht üben. Hingegen kann es sehr sinnvoll sein, sich zu Hause beim Rauchen oder Trinken von Alkohol einzuschränken oder sich tägliche Bewegung vorzunehmen. Oder etwas raffinierter: „Ich werde meinen Ehepartner in den 40 Tagen nicht kritisieren.“ Oder in Bezug aufs Gebet: Werktagsmesse, Rosenkranz, Bibel, …

Fastenvorsätze können auch positiv formuliert sein. Zum Beispiel: „Ich werde jeden Tag einen einsamen Menschen anrufen.“ „Ich werde jeden Tag den Rosenkranz beten und am Freitag den Kreuzweg.“

Unter den 40 Tagen ragen der Aschermittwoch und der Karfreitag heraus: An ihnen sind alle Katholiken ab dem 14. Lebensjahr zum Verzicht auf Fleischspeisen und vom 18. bis zum 60. Lebensjahr zum Fasten (gemeint ist maximal eine Sättigung pro Tag) verpflichtet. An allen anderen Tagen der Fastenzeit ist jedem Katholiken das Fasten nach eigenem Ermessen aufgetragen.

Wichtig ist, dass die Vorsätze zu Ihnen passen und Sie weder unter- noch überfordern. Eine Übungszeit soll es sein, die Ihnen etwas bringt. Sie werden sehen, das macht glücklich! Wie ein Frühlingsputz.