Von der Veränderung zur Verwandlung. Über die Notwendigkeit des Zugehens aufeinander.

Von Bischof Alois Schwarz. Erstellt am 24. Juni 2020 (02:47)

Wenn wir gemeinsam auf die letzten Wochen und Monate zurückblicken, dann merken wir eine Veränderung unseres Miteinanders. Wie sehr wir in einer Welt leben, in der es um Machbarkeit und um Macht, sogar um Allmächtigkeit geht, zeigt sich nun mit aller Härte: Denn die Annahme, dass wir Menschen allmächtig seien, wurde in den letzten Wochen widerlegt.

Wir erkennen derzeit vielerorts, dass wir Verunsicherungen ungern zulassen und mit Aggression reagieren. Es wird nach Schuldigen gesucht, es wird mit Rechthaberei, mit Besserwisserei Meinung gemacht. In einer Zeit, in der es das Miteinander und das Füreinander so dringend bräuchte, hören wir nun vom großen Gegeneinander. Gut gegen Böse, Richtig gegen Falsch, Wahr gegen Unwahr. Wir straucheln, als Menschen nicht allmächtig zu sein, gerade nicht in Bezug auf letzte Wahrheiten.

Sogar das allgegenwärtige Wort „Veränderung“ birgt in sich Sprengkraft. Es ist ein aggressiver, kämpferischer, auf unsere Mitmenschen zeigender Begriff, der so tut, als läge das Schlechte der Welt immer an den Anderen.

Wagen wir Christinnen und Christen es, in diese Welt der rechthaberischen Veränderungswut hinein von der Verwandlung zu sprechen? Lassen wir es zu, uns durch unseren Glauben verwandeln zu lassen? Wir müssen nur uns selbst kritisch in den Blick nehmen, um einen wirklichen Wandel in der Welt zu bewirken. Denn zuletzt bleibt ein Gefühl, als müssten wir nach diesem großen Stopp der letzten Wochen neu gehen, neu umgehen miteinander und neu zugehen aufeinander lernen. Lassen wir uns im Willen zur Wandlung ein auf einen neuen Lebensrhythmus aus Arbeit und Freizeit, aus Ruhe und Resilienz. Seien wir da, wo wir gebraucht werden, stehen wir zueinander, hören wir aufeinander, gehen wir aufeinander zu.