Weizen und Unkraut. Abt Georg Wilfinger (Stift Melk) über das Gute und das Böse im Menschen.

Von Georg Wilfinger. Erstellt am 19. September 2017 (00:22)

Vor einigen Wochen hörten wir im Evangelium der Sonntagsmesse das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen. Dieser Acker, auf dem Weizen und Unkraut wachsen, das ist unser Leben, so ist unser Leben. Wir vertrauen darauf, dass Gott das alles zum Guten wandeln kann und zum Guten wandeln wird trotz allem Unkraut, trotz allem Schweren und Unguten, das es in uns und in der Welt gibt. Martin Schleske, ein Geigenbauer, kein Theologe, hat einmal über dieses Gleichnis so wunderbar geschrieben. Das möchte ich Ihnen mitgeben: „Dieses Gleichnis Jesu lehrt uns etwas anderes. Zu sehr ähneln sich Weizen und Unkraut. Wir sollten uns dazu Gedanken machen, was in uns überwiegt, dass beides in uns vorhanden ist:

Glaube und Aberglaube, wahre Demut und falsche Bescheidenheit, echte Sorglosigkeit und naiver Leichtsinn, Gelassenheit und Gleichgültigkeit, wahre Freiheit und verdeckte Bindungsunfähigkeit, wirkliche Hoffnung und billige Vertröstung, notwendige Ehrfurcht und feige Unterwürfigkeit, aufrichtige Liebe und ängstliche Nachgiebigkeit, bergende Vertrautheit und lähmende Gewöhnung, echte Gewissheit und falsche Sicherheit. (...)

Freuen wir uns über alles Gelungene, Schöne, Begeisternde, die Bereicherung, über eine frohe, harmonische und liebevolle Gemeinschaft, zehren wir davon und leben wir wirklich füreinander, sind wir dafür dankbar. Das wollen wir uns erneut bewusst machen.