Zeit als Geschenk. Abt Thomas Renner (Benediktinerstift Altenburg) über die Bedeutung von Zeit.

Von Abt Thomas Renner. Erstellt am 30. Januar 2018 (01:38)

Zeit ist Geld! So sagt ein bekannter Spruch – und die meisten von uns sind wohl damit einverstanden.

Zeit verschwenden oder verlieren ist in den Augen vieler Menschen eine der schlimmsten Sünden. Eine ganze Stunde auf den nächsten Zug warten müssen oder beim Arzt im Wartezimmer sitzen müssen – eine mittlere Katas-trophe. Und denken wir nur an die Warteschlange bei den Kassen in unseren Lebensmittelgeschäften oder an den verstohlenen Blick auf die Uhr während der Sonntagsmesse – überall finden wir die Ungeduld, denn Zeit hat heute eigentlich niemand mehr.

Zeit ist Geld! Dieser Ausspruch verrät viel über das, was in unserer Gesellschaft heute ganz oben auf der Werteordnung steht: Wohlstand, Konsum, Genuss, Luxus, aber auch Fun und Action. Die Jagd danach ist eine der Wurzeln von ungesundem Leistungsdruck, von Hektik, Ungeduld, krank machender Überforderung bis hin zu Burn-out oder gar Suizid.

Aber ein solcher Umgang mit der Zeit kann nicht die tiefsten Sehnsüchte der Menschen stillen.

Die Bibel berichtet uns immer wieder, wie sich Jesus den Menschen zuwendet, wie er auf sie zugeht und wie er ihnen Zeit schenkt. Er hört ihre Bitten, er sieht ihre Sorgen und Nöte, er hilft ganz einfach. Ja, Jesus drängt es zu den Menschen, weil er den Menschen aus ganzem Herzen liebt.

Und genau darum ist für Jesus Zeit nicht Geld, sondern immer Geschenk, Chance und Auftrag.

Nun ist Zeit wirklich immer Geld? Ist sie auf dem Hintergrund der Botschaft Jesu und seinem Beispiel nicht auch für uns vielmehr Chance, Geschenk und Auftrag? Nicht, um möglichst viel Geld zu gewinnen, um Karriere zu machen oder Ansehen zu gewinnen, sondern um dadurch einfach die Liebe zum Mitmenschen sichtbar zu machen.

Zeit ist Geld – oder doch mehr als Geld?