Im Vergleich ein Vorzeigemodell

Über die Struktur im Nachwuchsfußball und einen Blick über den Tellerrand.

Bernhard Schiesser
Bernhard Schiesser Erstellt am 13. Oktober 2021 | 05:20

An dieser Stelle war vor einer Woche zu lesen, dass der Unterhaus-Fußball auf ein Problem zusteuert. Das Gros der Vereine ab einem gewissen Spielniveau schaffe es nicht mehr, Fußballer über den eigenen Nachwuchs an die Kampfmannschaft heranzuführen. Und das sorge für Frust bei den ehrenamtlichen Funktionären – so die These.

Dutzende Reaktionen gab‘s darauf. Alle, was die Grundproblematik betrifft, zustimmend. Auch Lösungsansätze kamen. Manche davon strotzten allerdings vor brachialer Radikalität.

Da forderten manche, dass Landesausbildungszentren (LAZ) oder Akademien weg gehörten, dann löse sich das Problem von alleine.

Damit allerdings würde man das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Nachwuchsarbeit im Fußball ist, was seine Struktur betrifft, ausgezeichnet. Sie braucht kaum einen internationalen Vergleich zu scheuen. Der Aufschwung des heimischen Fußballs fußt auf dieser Struktur.

Auch ein Blick über den Tellerrand zu anderen Sportarten lohnt sich und stellt dem Fußball ein deutlich besseres Zeugnis aus, als sein oft gescholtener Ruf es vermuten lässt.

Wie ist das im Tennis oder Golf? Will man seinem Kind eine adäquate Ausbildung ermöglichen, wird‘s ganz schnell ziemlich teuer. Jede einzelne Trainerstunde kostet. Das ist in Tennis- oder Golferkreisen auch mehr oder weniger akzeptiert. Auf dem Weg nach oben nehmen Eltern mittlere Vermögen in die Hand. Nur wird aus dem Filius bekanntermaßen ganz selten ein Thiem oder Wiesberger.

Zurück zum Fußball: Auch dort partizipieren die Eltern über Vereins-Mitgliedsbeiträge an den Kosten für die Ausbildung. Fußball bleibt aber nach wie vor erschwinglich und deshalb der Sport für die Massen. Das ist sein Erfolgsrezept. Leistbar werden Talente über LAZs und Akademien entdeckt und gefördert.

Das System funktioniert an sich. Nur haben sich mittlerweile ein paar Rädchen in ihm abgenutzt. Nämlich jene, die den Zufluss der Talente regeln. Da wird es neue Ideen brauchen, die die gut funktionierende Grundidee nicht gefährden. Nicht mehr, nicht weniger.