Jubel für Lehrlinge ist oft eine Heuchelei. Über den wenig nachhaltigen Jubel über die Spitzenleistungen der heimischen Fachkräfte.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 03. September 2019 (04:29)

Zu besonderen Anlässen werden „unsere“ Lehrlinge gern von allen Seiten gelobt. Zum Beispiel dann, wenn die WorldSkills oder die EuroSkills, also die Berufs-Welt- oder Europameisterschaften, anstehen. Denn da ist (Nieder-)Österreich immer vorne mit dabei. Sechs Goldmedaillen gab es heuer für die österreichischen Fachkräfte im russischen Kazan, eine davon holte ein Niederösterreicher.

Nach der (berechtigten!) Lobhudelei ob dieser Leistung ist es aber schnell vorbei mit dem Ansehen für Lehre und Fachkräfte, zumindest in der Praxis. Die Wirtschaftskammer trommelt zwar intensiv die Bedeutung der Lehre, ebenso die Politik. Dennoch setzen die Österreicher weiter auf höhere Bildungsabschlüsse. In das Schuljahr 2019/20 starteten laut NÖ Bildungsdirektion in NÖ 40 Prozent der Kinder aus der vierten Klasse Volksschule ins Gymnasium. 1980 war es ein Fünftel.

Die Lehre ist wichtig – beim eigenen Kind schauen die meisten Eltern aber, dass es ein Gymnasium macht. Anstatt zu überlegen, welcher Bildungsweg der beste ist. Das schadet den Kindern, weil sie ihre Potenziale nicht heben können, den Lehrern, weil sie frustrierte Schüler haben, und dem Staat, weil ihm Steuereinnahmen durch gut bezahlte Handwerker fehlen.