Corona lässt keinen fairen Bewerb zu. Über die Erkenntnisse der ersten Meisterschaftsrunden im Amateurfußball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 09. September 2020 (05:52)

Das Positive vorweg: Seit zwei Wochen wird in Niederösterreich wieder vor Zuschauern Fußball gespielt. Und die Fußballplätze erwiesen sich bislang keinesfalls als Coronavirus-Brutstätten. Noch tat sich kein größerer Cluster auf, der dem Fußball zugerechnet werden könnte. Das beweist einerseits, dass das Ansteckungsrisiko an der frischen Luft eher gering ist, und ist andererseits auch Indiz dafür, dass sich Vereine, Spieler und Zuschauer bislang zum überwiegenden Teil nach besten Wissen und Gewissen an die Vorgaben der Behörden halten.

Gänzlich einen Bogen macht das Virus um den Fußball freilich nicht. Kann es auch nicht, weil der Kick Woche für Woche tausende Menschen bewegt. Ein grundsätzliches Verständnis von mathematischer Wahrscheinlichkeit reicht aus, um zu verstehen, dass es ganz normal ist, wenn in Fußballklubs Covid-19-Fälle aufpoppen.

Der Fußballverband versuchte, sich dafür zu wappnen, gab Richtlinien raus, wann und wie Spiele abgesagt werden dürfen. Nur halten diese Regeln dem Realitäts-Check nicht stand. Können sie auch nicht, weil die Bezirkshauptmannschaften völlig autonom die Vorgaben der Gesundheitsbehörden auslegen. Mal einzelne Infizierte in Quarantäne schicken, mal ganze Teams isolieren. Mal negative Testergebnisse in die Quarantäne-Maßnahmen einfließen lassen, mal nicht.

Jetzt könnte man freilich einfordern, dass die Behörden im ganzen Land nach gleichen Maßstäben handeln sollten. Das wäre dann so etwas wie eine Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, und der würde wohl die strengstmögliche Auslegung provozieren – Quarantäne für alle! Den Fußball würde das recht schnell lahmlegen. Wählt man den pragmatischen Zugang, dann ist die aktuelle Handhabe okay. „Hauptsache, es wird gespielt“, ist das Totschlag-Argument, das alle anderen überlagert.

Monatelang hielt sich die laute Kritik an der Annullierung der abgebrochenen 19/20iger Meisterschaft. Das Fußballvolk schrie nach Ergebnissen! In dieser Spielzeit wird es sie geben, die geforderten Auf- und Absteiger, sofern eine Hinserie gespielt werden kann. Eines ist aber schon jetzt klar: Es wird Corona-Verlierer geben, die schuldlos zum Handkuss kommen. Von einem fairen Wettbewerb müssen wir uns in dieser Saison verabschieden.