Der Punkt, an dem es keinen Sinn macht. Über steigende Corona-Zahlen und die Auswirkungen auf den Fußball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:59)

Wie der Kick in den nächsten Wochen trotz Corona wieder anheben kann, ist selbstredend derzeit das alles beherrschende Thema auf den Fußballplätzen des Landes.

Da geht‘s auf der einen Seite um Möglichkeiten, vor so vielen Zuschauern wie möglich spielen zu können, um das wirtschaftliche Gedeihen der Klubs zu sichern. Da geht‘s um Quarantäne-Maßnahmen bei auftauchenden Coronafällen und die davon abzuleitenden Folgen für die Klubs und Meisterschaften.

Worum es bislang noch zu wenig ging, waren die direkt Betroffenen selbst, nämlich die Spieler, Trainer und Vereinsverantwortlichen. Mehrere Kicker und auch Funktionäre meldeten sich bei der NÖN, um genau das zu thematisieren. Ein Spieler aus der 2. Landesliga überlegt sogar, seine Fußballschuhe vorübergehend an den Nagel zu hängen, weil ihm das Risiko zu hoch sei. Und er meint gar nicht vorrangig die Möglichkeit, sich über den Fußball mit dem Virus zu infizieren. Es geht um die 14 Tage behördlich angeordneter Quarantäne, die drohen, falls sich ein Mitspieler mit Covid-19 ansteckt, und um die Angst, seinen Job zu verlieren, sollte das sogar öfter als einmal passieren.

Ein Weinviertler Funktionär eines 1. Klasse-Klubs wiederum befindet die strengen Quarantäne-Bestimmungen als essenziell. Zwei Spieler seiner Mannschaft stünden ohnehin im Herbst nicht zur Verfügung, weil sie in einem Haushalt mit Risikopatienten lebten und daher vorübergehend freiwillig auf Fußball verzichten. Verkürzt man die Quarantäne bzw. beendet sie vorzeitig aufgrund negativer Covid-19-Tests, würde sich das Risiko aufgrund der unklaren Inkubationszeit – also jener Zeit zwischen Ansteckung und Nachweisbarkeit des Virus – erhöhen.

Die beiden Beispiele zeigen deutlich: Der Fußball steckt in einem Dilemma. Es gibt sie nicht, die Lösungen, die allen Anforderungen gerecht werden. Es kann nur um Risikoabschätzung und dessen Minimierung gehen. Das passiert aufgrund von Zahlen und Statistiken. Kühl und trocken.

Der Fußball verkörpert aber genau das Gegenteil, nämlich Emotion und allzu oft auch Risikobereitschaft. Wenn sich die Fallzahlen weiter verschlimmern, wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem es keinen Sinn macht, die Meisterschaft fortzusetzen oder überhaupt zu starten. Das wird für viele schwer zu akzeptieren sein.