Die Kapitäne in der Badewanne. Über die Alleingänge der Fußball-Landesverbände.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 10. Februar 2021 (05:09)

Föderale Strukturen machen Sinn. Das gilt für die Politik. Das gilt für den Sport. Grundsätzlich bietet der Föderalismus die Möglichkeit, auf lokale Bedürfnisse individuell reagieren zu können und damit Kollateralschäden bei Entscheidungen der übergeordneten Struktur zu vermeiden.

Das ist auch der Grund, warum der ÖFB seinen Landesverbänden lediglich eine Empfehlung an die Hand gab, wie sie die coronabeeinträchtigte Spielsaison abwickeln und werten sollten.

Nur gibt es in den Ländern kaum Unterschiede. Corona wütete da wie dort. Alle Landesverbände stehen vor ähnlichen Herausforderungen, nämlich eine nachvollziehbare, sportlich weitgehend faire Bewertung der Saison auf den Boden zu bringen.

Hier hätte die ÖFB-Empfehlung einen bemerkenswert sicheren Hafen geboten. Die Eckpfeiler: Wertung nur, wenn zumindest eine Hinrunde gespielt ist; Absteiger nur, wenn die gesamte Meisterschaft gespielt werden kann.

Warum bis auf die Steiermark und Vorarlberg trotzdem alle davon abrückten? Vermutlich, weil einige die Situation im Sommer zu optimistisch beurteilten. Als sich Corona zur zweiten Welle aufschwang, fehlten Mut und „Fehlerkultur“, um schlechte Entscheidungen zu revidieren.

Sieben der neun Landesverbände entschieden sich, allein zu rudern und die Stürme, die da kommen werden, auszustehen. Das hätte man gemütlicher haben können. Und schlauer wär‘s obendrein gewesen.