Eine wirklich knifflige Gratwanderung. Anita Kiefer über die Gründe für Privatinsolvenzen in Österreich.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 06. September 2016 (06:45)

Der KSV1870 hat die Gründe für Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr erhoben. Die traurige Hitliste führen mit 30 Prozent ehemalige Selbstständige an. 1995, bei Einführung des Privatkonkurses, lag dieser Wert zwar noch bei 40 bis 50 Prozent. Dass dieser Wert seit 1995 gesunken ist, liegt vor allem daran, dass es weniger Abweisungen mangels Masse bei Unternehmensinsolvenzen gibt.

Auf Platz zwei der Gründe für Privatinsolvenz im ersten Halbjahr lag Einkommensreduktion mit 22 Prozent, dahinter eigene Leistungsüberschätzung bei Geldaufnahme bzw. leichtfertiger Umgang mit Geld (insgesamt 19 Prozent). Weit abgeschlagen liegen mit sieben Prozent Lasten aus dem familiären Umfeld wie Haftungsübernahmen.

Ein Spannungsfeld ist bei den Privatinsolvenzen von ehemaligen Selbstständigen erkennbar. Offensichtlich braucht es auf der einen Seite Erleichterungen für die Unternehmensgründung – Österreich gilt ja in Start-up-Kreisen nicht gerade als Gründerparadies. Auf der anderen Seite machen eben noch immer ehemalige Unternehmer die größte Gruppe derjenigen aus, die Privatinsolvenz anmelden müssen. Eine schwierige Gratwanderung. Sinn macht dabei definitiv die Forderung des KSV1870, über alle insolventen Unternehmen ein Verfahren zu eröffnen.