Einweg-Sprengstoff für Handel und Politik. Über die Sinnhaftigkeit des Einwegpfands und eine ultraleichte Wegwerfkultur.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:24)

Entsorger, Hersteller und Händler geißeln das von Ministerin Leonore Gewessler geplante Einwegpfand auf PET-Flaschen in Supermärkten: Es sei „das teuerste Pfandsystem“ und „nicht sinnvoll“, um EU-Sammelquoten zu erreichen. Obendrein wirke es wie eine CO 2 -Bombe: Für die Leergut-Rückgabe müssten die Bürger mehr Kilometer zurücklegen anstatt sie bequem im Gelben Sack/Tonne oder im Sammelzentrum zu deponieren. Das Murren hat gefruchtet: Einwegpfand kommt (vorerst) nicht, dafür aber eine ebenso kritisierte Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen.

Noch in den 90er-Jahren war Österreich ein „Mehrweg-Muster-Land“: Milch, Mineralwasser und Soft Drinks wurden zu 80 Prozent in Pfandflaschen abgefüllt und verkauft. Heute sind es dank ultraleichter PET-Flaschen, Aludosen und Tetrapacks zum Wegwerfen nur mehr 19 Prozent. Wie „öko“ Mehrweg im Vergleich zu Einweg wirklich ist, hängt von Wegdistanzen (Sammlung, Aufbereitung, Befüllung), Rohstoff- und Energieeinsatz ab.

Für Nicht-Insider und die Bevölkerung ist das alles zu komplex und intransparent. Eine Klimabilanz-Kennzeichnung auf Verpackungen würde helfen. Am günstigsten für Umwelt und Börserl ist aber fix die Nicht-Verpackung (wie beim Leitungswasser) und eben ein Weniger an Konsum und „Wegwerf-Unkultur“.