Geld muss nicht zwingend stinken. Über karitative Gründer und Solidarität als wichtiger sozialer „Brückenbaustoff“.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:11)

Der Not der Landbevölkerung und der städtischen Handwerker und Arbeiter mit Geldmitteln Abhilfe schaffen: Dem verschrieb sich der deutsche Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen im 19. Jahrhundert. Als Reaktion auf Kreditwucher und dadurch produziertes Elend gründete der gläubige Protestant karitative, nicht auf Gewinn fokussierte Darlehensvereine. Wohlhabendere sollten leistbare Kredite an wirklich Notleidende gewähren, ohne Eigennutz und Abzocke. Seine Triebfeder war christliche Nächstenliebe.

Auch heute gilt Raiffeisens Überzeugung als Teil der DNA in rund 1.600 autonomen Raiffeisengenossenschaften in Österreich, darunter Banken, Lagerhäuser und Molkereien. Kurzfristiges Gewinnhecheln und globales Wegrationalisieren von Jobs sind dort tabu. Das Gemeinwohl und nachhaltiges Wirtschaften hingegen zählen in den Raiffeisen Organisationen zum Kern. Diese Haltung trug im Vorjahr auch zum Erhalt der Agrana Zuckerfabrik Leopoldsdorf im Raiffeisen-Miteigentum bei.

Werte wie Solidarität und Nächstenliebe sind die „Brückenbaustoffe“ zwischen uns Menschen. Das zeigt sich besonders in (persönlichen) Krisenzeiten. Und Geld muss nicht stinken, wenn Geber und Nehmer es nicht als ultimatives Ziel, sondern als reines Werkzeug im Dienst der Menschen sehen.