Gewalt: (K)eine Sache der Schule. Über die Schuldfrage der Mobbingvorfälle in Wiener Schulen und die dadurch ausgelöste Debatte in ganz (Nieder-)Österreich.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 14. Mai 2019 (02:11)

Es ist wieder passiert: Vergangene Woche warf ein Schüler der HTL Donaustadt einen Mistkübel nach seinem Lehrer. Anfang Mai bespuckte ein HTL-Lehrer in Ottakring einen Schüler, nachdem ihn dieser bedrängt hatte.

Mobbing in Schulen gibt es, seit das kleine Einmaleins gelernt werden muss – aber noch keine Handyvideos, die das bezeugten. Acht Millionen Bildungsexperten suchen aktuell die Schuldigen. Die Tatverdächtigen: Die Lehrer, die vor einer inhomogenen Schülerschar den Unterrichtsstoff durchbringen müssen. Die Direktoren, die zunehmend mit Bürokratie überladen werden. Die Eltern, oft beide berufstätig, auf die Erziehungstipps aller Art einprasseln. Die zum Teil überforderten Schüler, die sich in der Schule und/oder zu Hause nicht wohlfühlen und das Gefüge einer Gruppe erst im schulischen Kontext kennen lernen und nicht wie einst beim Spielen mit Freunden draußen.

Nicht die Frage der Schuld, sondern die der Verantwortung sollte gestellt werden. Keine Time-out-Gruppe und keine Konfliktmanagement-Ausbildung wird Gewalt reduzieren, wenn nicht hingeschaut, aufgestanden und entgegengewirkt wird. Und dadurch ein Klima entsteht, indem sich Täter gar nicht erst trauen. Nicht nur, aber vor allem, in den Schulen. Damit Lehrer ihrem Jobprofil auch wirklich nachkommen können, nämlich unterrichten.