Längst nicht nur ein Vergnügen für Kinder. Thomas Jorda über das Figurentheater, das in der jüngsten Vergangenheit seine alte künstlerische Bedeutung wiedergewonnen hat.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 20. September 2016 (06:47)

Figurentheater ist nicht einfach nur Kasperltheater, sondern erhebt künstlerischen Anspruch. Vielfältig und faszinierend sind diese Formen der darstellenden Kunst. Auf der ganzen Welt findet man sie, es gibt sie seit Menschengedenken. Sogar Plato und Aristoteles berichten darüber.

Was aber nicht verhinderte, dass lange Zeit Puppentheater nur für Kinder aufgeführt wurde. Die Generation 50plus wird sich an Kasperl, Petzi und Strolchi erinnern, im Fernsehen am Mittwochnachmittag ausgestrahlt und viele Jahre das einzige Kinderfernsehen.

Das hat sich eingeprägt, und wer den Kinderschuhen entwuchs, verabschiedete sich geistig von diesem Genre. Kinderkram eben!

Stimmt aber nicht. Spätestens seit den Figuren von Nikolaus Habjan, die längst zu Stars im Burgtheater geworden sind, wissen das auch jene, die bisher diesbezüglich die Nase gerümpft haben. Wer Habjan mit dem „Herrn Karl“ oder seiner Produktion über die NS-Verbrechen „Am Spiegelgrund“ – oft auch in Niederösterreich – erlebt hat, wird das Phänomen Puppen mit anderen Augen sehen.

Die Internationalen Puppentheatertage in Mistelbach pflegen jeden Herbst – seit fast vierzig Jahren – die Facetten des Figurentheaters. Auch da reden wir nicht bloß vom Kasperltheater. Sondern von großer Kunst.