Leiht den Klubs endlich ein Ohr. Über die „Lex Absteiger“ in der Corona-Saison.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:15)

Der NÖ Fußballverband ist dieser Tage in einer undankbaren Situation. Bei vielen Themen sind die NÖFV-Granden von Präsident Hans Gartner abwärts Passagiere. Dass es besser wäre, den Verursacher als den Boten von schlechten Nachrichten zur Verantwortung zu ziehen, wussten schon die alten Griechen.

Ganz in die Boten-Rolle kann sich der NÖFV dann aber doch nicht zurückziehen. Was viele Vereinsfunktionäre in der Corona-Krise vermissen, sind starke Führungspersönlichkeiten im Verband, die selbstbewusst, aber auch empathisch auftreten und ihren Klubs Stützen sind. Dieses G’spür fehlte, als vor zwei Wochen eine Vielzahl von Vereinen in der Hauptgruppe Nord eine Art Streik in Betracht zog. Dieses G‘spür fehlt auch aktuell, wenn es um die Wertung der bereits jetzt arg gebeutelten Spielzeit 2020/21 geht.

Wir erinnern uns: Der ÖFB empfahl vor Saisonbeginn seinen Landesverbänden, zwar Aufsteiger zuzulassen, aber keine Absteiger zu bestimmen, sollte die Wackel-Saison nicht planmäßig zu Ende gespielt werden können. Der NÖFV wird sich aller Voraussicht nach über diesen Rat hinwegsetzen. Der Vorstand legte dem zuständigen Sportreferat nahe, Absteiger zuzulassen, auch wenn beispielsweise nur die halbe Saison in die Wertung kommt. Der Grund? Weil manche Ligen dann in der nächsten Saison zu viele Klubs umfassen würden, die dann wieder mit umso mehr Absteigern reguliert werden müssten.

Faktisch ist das richtig. Ungeschickt ist es dennoch. Schon jetzt ist klar, dass diese Saison keinesfalls fair ablaufen wird. Nur noch der Grad dieser fehlenden Integrität ist offen. Das schreit nach Flexibilität. Auf diesem Ohr sind die Verbandsfunktionäre aber taub.