Noch immer kein Sommer wie damals. Über die Absage des Frequency-Festivals in St. Pölten.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:44)

Die Ankündigungen der Bundespolitik waren vor einem Monat vollmundig. „Jetzt seid ihr dran!“, posaunte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein Richtung Jugend. „Es kann getanzt, gefeiert, geheiratet werden“, frohlockte Kanzler Sebastian Kurz und stellte einen Sommer wie damals 2019 in Aussicht. Vor wenigen Tagen noch stand die Pandemie gar kurz davor, zur Privatsache degradiert zu werden. Zumindest für Geimpfte sollte Corona vorbei sein. Von wegen.

Mit dem Frequency-Festival in St. Pölten wurde die Leuchtturm-Veranstaltung schlechthin behördlich abgesagt. Aus epidemiologischer Sicht macht das durchaus Sinn. Die fortschreitende Delta-Variante wäre Party-King am Frequency gewesen. Egal wie hart ihr feiert, Delta feiert härter – oder so ähnlich…

Dass letztlich die rote Stadt St. Pölten kalte Füße bekam und das Festival absagte und nicht der türkis-grüne Bund, wird den zehntausenden Enttäuschten ziemlich egal sein. Hängen bleibt, dass ihnen etwas versprochen wurde, das sich nur wenige Wochen später als hohle Phrase entpuppte. Ob es ein zumutbares Opfer ist, eineinhalb Jahre lang aufs Feiern zu verzichten? Das ist eine Frage der Perspektive. Ehrliche Kommunikation und belastbare Ankündigungen hätten sich jedenfalls alle verdient – egal ob jung oder alt.