Lasst die Populismuskeule stecken

Darüber, warum sich Neuschnee und die Forderung nach Kinderfußball eher nicht vertragen.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:42
Lesezeit: 1 Min

Der Sport hat zu wenig Stellenwert. Eine Aussage, die so eigentlich grundfalsch ist. Richtig müsste es heißen: Der Stellenwert, den der Sport für die Gesellschaft hat, wird von der Politik – bewusst oder unbewusst – falsch bewertet. Warum? Weil es durch hunderte Studien längst bewiesen ist, dass viel mehr Augenmerk in Richtung Bewegung und Sport gesteuert werden müsste, um brachliegende Potenziale zu heben. Auch und vor allem, wenn es um Kosten geht, die mangelnde Bewegung im Gesundheitssystem verursacht.

Um das zu erkennen, muss man gar nicht zwei- oder gar dreimal um die Ecke denken. Es leuchtet jedem ein, dass Millionen, die jetzt in die Förderung von Bewegung und Sport investiert werden, in einigen Jahren als Milliarden an Ersparnis im Gesundheitssystem zurückkommen. Das Problem: Diese Rechnung geht erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten auf. Die nächste Wahl gewinnen Poitiker mit diesem Thema eher nicht. Wobei! Es hat auch noch niemand ernsthaft versucht…

Jede Initiative, die in diesem Zusammenhang den Finger in die Wunde legt, ist zu begrüßen. Der jüngste Schulterschluss zwischen Sport-Österreich-Präsident Hans Niessl, der neuen Skichefin Roswitha Stadlober und dem frisch g‘fangenen Fußballboss Gerhard Milletich? Absolut notwendig und unterstützenswert. Zusammengefasst monieren die drei, dass die Regierung in der Pandemie nichts dazugelernt hätte und das erneute Zudrehen des Breitensports die mühevolle Rückgewinnung von Vereinsmitgliedern erschwere.

Um auf dieses Problemfeld hinzuweisen, braucht es eine starke gemeinsame Stimme. Auch Populismus ist erlaubt. Dabei ist der Grat aber schmal. Wenn sich Milletich hinstellt und fordert, dass Kinder im Lockdown weiter im Freien (!) Fußball spielen sollen, weil sie ja in der Schule ohnehin nebeneinandersitzen würden, dann kann man das machen. Man kann aber auch aus dem Fenster schauen und erkennen, warum Kinder auch schon vor der Pandemie im Winter draußen nicht Fußball gespielt haben.