2020 ist nicht 1945

Über die Coronakrise und das Ende des Zweiten Weltkriegs, das wir am Freitag feiern.

Daniel Lohninger
Daniel Lohninger Aktualisiert am 06. Mai 2020 | 05:33
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Viel war in den vergangenen Tagen und Wochen „dank“ der Coronakrise vom Ende des Zweiten Weltkriegs die Rede – davon, dass wir die schwerste Wirtschaftskrise seit 1945 erleben, dass das Heer der Arbeitslosen seit 1945 nicht mehr so groß war wie heute, und dass unsere nach 1945 aufgebaute Wohlstandswelt mit den für vielen selbstverständlich gewordenen Freiheiten mehr als nur ins Wanken gerät.

Das alles für sich selbst ist richtig, der Vergleich der Coronakrise mit dem Zweiten Weltkrieg ist aber völlig deplatziert. Denn als am Freitag vor 75 Jahren die deutsche Wehrmacht in Berlin kapitulierte, standen die Menschen vor wesentlich existenzielleren Sorgen als wir heute. Zerstörte Straßenzeilen, zerbombte Bahnhöfe, unvorstellbarer Hunger in den Städten und hunderttausende Flüchtlinge prägten die ersten Tage und Jahre der Nachkriegszeit – ganz abgesehen vom menschlichen Leid, das die 250.000 gefallenen Österreicher und 70.000 vom NS-Regime Ermordeten in ihren Familien hinterließen.

Die Coronakrise mag für uns alle schmerzhaft sein, mag die Sorge um die eigene Zukunft und die Zukunft unserer Lieben befeuern, und sie mag die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf stellen. Kaum jemand muss aber um seine Existenz fürchten, der (reiche) Staat pumpt Milliarden in die Wirtschaft, um unsere Jobs und den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten.

Und so wird die Coronakrise in der langen Geschichte Niederösterreichs wohl nicht viel mehr als eine Fußnote werden. Vorausgesetzt, wir schauen uns die Zuversicht von unserer Großeltern-Generation ab, die aus den (echten) Trümmern des Jahres 1945 heraus unseren Wohlfahrtsstaat geschaffen hat.